Hans Lungwitz und die Psychoanalyse

Hans Lungwitz und die Psychoanalyse

Dr. med. Karsten Wolf, Schloss Gracht, ein langjähriger Freund von mir,  hat mich gebeten, für eine kommentierte Neuauflage des Buches „Erkenntnistherapie für Nervöse“[1] von Hans Lungwitz etwas darüber zu schreiben, welches Verhältnis Hans Lungwitz zu der Psychoanalyse und zu Freud, Adler u.a. „Psychoanalytikern“ hat. Diesem Wunsch komme ich gern nach. Da das Projekt „Neuauflage des Buches Erkenntnistherapie für Nervöse sich leider verzögert, veröffentliche ich vorerst meinen Beitrag zu dem geplanten Projekt nach Rücksprache mit Karsten Wolf in meinem Blog.

Ich verwende dazu allerdings nicht nur das Buch „Erkenntnistherapie für Nervöse“, sondern ziehe auch Informationen über Hans Lungwitz (und sein Verhältnis zu Psychoanalyse) aus folgenden Quellen: Hans Lungwitz: „Über Psychoanalyse“[2]; Die Entdeckung der Seele[3]; Lehrbuch der Psychobiologie, Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band[4]; aus der Dissertation „Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller“ von Matthias Miener [5] und aus dem Buch „Präsenztherapie“[6]  und den darin enthaltenen Aufsätzen „Das Leib-Seele-Problem und das Hier und Jetzt bei Lungwitz“[7] und „Präsenzerleben in der Erkenntnistherapie bei Lungwitz“[8]. Leider hatte ich von Hans Lungwitz nicht alle Auflagen seiner genannten Bücher zur Hand, so dass ich mich auf die vorhandenen beziehe. Die Angaben zu Sigmund Freud entnehme ich dem Buch von Makari[9]  und Angaben über die Geschichte der Psychologie im 19. Jahrhundert dem Buch von Pongratz[10].

Trotz eines Altersunterschiedes von 25 Jahren, (Sigmund Freud wurde 1856 und Hans Lungwitz wurde 1881 geboren), waren beide Kinder der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und damit der damaligen kulturellen und wissenschaftlichen, besonders naturwissenschaftlichen Ausrichtung.

Die damaligen Streitthemen im Bereich der Psychologie und Psychiatrie/Neurologie wirken bis heute.[11] Große Themen waren: Was ist Seele und Seelenleben? Was ist Bewusstsein und Unbewusstes? Was ist Erleben und Verhalten?

Eine Art, sich mit dem Psychischen zu beschäftigen, war die Untersuchung des Bewusstseins und damit mit dem Seelenleben sowie mit der Assoziationspsychologie. Erst nach und nach war auch das Unterbewußtsein Thema dieser Richtung.

Die Frage war grundsätzlich: Was ist die Seele? Ist sie als getrennt vom Körper oder als mit ihm verbunden zu betrachten? Ist sie eine Substanz wie der Körper? Oder substanzlos? Gibt es sie überhaupt? Seit Friedrich Albert Lange (1828-1873) kennt man die Formel „Psychologie ohne Seele“.

Lange war damit einer der Begründer der materialistischen Psychologie. Bei dieser Art, zu klären, was denn nun  Psychisches sei, wurde oft die Physiologie und Physik als naturwissenschaftliche Methoden benutzt. Rudolf Hermann Lotze (1817-1881) sprach von der Physiologie der Seele und ein gängiger terminus technicus was Psychophysik. Dazu gehörte auch die Reflexologie, die vor allem mit den Namen Pawlow und Bechterew verknüpft ist. Für die Psychiatrie war der Internist, Psychiater und Neurologe Wilhelm Griesinger  (1817–1868) ein großes Vorbild. Ihm wurde der schlagwortartige Ausspruch „Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten“ zugeschrieben. Das Gehirn war der Sitz der Seele, auch der mit der Seele verknüpften Krankheiten. Physik, Physiologie, Anatomie des Gehirns, Reflexologie gehören zur naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise des Psychischen.

Es standen sich seit dem 19. Jahrhundert also zwei Richtungen gegenüber: Die objektive und die subjektive Psychologie. Zur subjektiven Psychologie gehört Bewusstsein und Unbewusstes sowie Erleben, zur objektiven Psychologie der Behaviorismus und die Reflexologie. Die subjektive Psychologie beschäftigt sich mit dem inneren Seelenleben, also dem, was sich in der Seele abspielt (dem Innenaspekt), die objektive Psychologie mit dem äußeren Verhalten, dem Gehirn und den physiologischen Mechanismen und Reflexen (dem Außenaspekt).

Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als Sohn jüdischer Eltern in Freiberg in Mähren geboren. Aus wirtschaftlichen Gründen zog die Familie 1859 zuerst nach Leipzig, dann nach Wien. Dort machte er 1857 mit Auszeichnung die Matura am Leopoldstädter Communal-Realgymnasium.

Freud studierte danach in Wien Medizin und erhielt eine gründliche Ausbildung in Medizin und besonders in der Physiologie bei Ernst Wilhelm Brücke. Er wollte selber physiologisch tätig werden, und sein naturwissenschaftliches Interesse kommt auch darin zum Ausdruck, dass er sich schon 1876 mit Aal-Hoden beschäftigte und 1881 eine Doktorarbeit mit dem naturwissenschaftlichen Thema „Über das Rückenmark niederer Fischarten“ schrieb. Nach seiner Promotion wurde er Facharzt für Neurologie. Er war aber weiter naturwissenschaftlich forschend tätig, arbeitete in Theodor Meynerts Laboratorium für Gehirnanatomie, forschte im Bereich der Neurophysiologie und über das Kokain als Droge.

Dieses Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen und Erklärungen behielt Freud lebenslang bei. Seine Forscherlaufbahn ging aber andere Wege, als er 1885 einen Studienaufenthalt an der psychiatrischen Klinik des Hôpital Salpêtrière bei Jean-Martin Charcot antreten konnte. Freud wurde dadurch auf das Studium der Hypnose und den Einsatz von Hypnose bei der Krankheit Hysterie aufmerksam gemacht. Mit seinem Freund Josef Breuer zusammen schrieb er 1893 den Aufsatz „Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene. Vorläufige Mittheilung“ und 1895 das Buch „Studien über Hysterie“.

Dieses Buch ist zwar wichtig in der Arbeit Freuds, seine Arbeit geht aber weit darüber hinaus, und Freud veränderte und modifizierte seine Forschungsergebnisse immer, wenn er auf Neues stieß. Er war primär als Arzt Wissenschaftler. Er beobachtete ganz genau, was seine psychisch kranken Patienten ihm sagen wollten. Freud arbeitete mit ihnen psychotherapeutisch. Seine Arbeitsweise entstammte zwar der Hypnose, der psychotherapeutischen Methode des 19. Jahrhunderts, die Freud bei Charcot in allen Konsequenzen kennengelernt hatte. Er entwickelte in der Folge seine eigene Arbeitsweise, die er Psychoanalyse nannte. Freud behandelte also in erster Linie seine Patienten, und wenn er bei ihrer Behandlung nicht weiterkam, versuchte er herauszufinden, woran das liegen konnte. Hieraus entstanden seine Forschungsergebnisse.

Ganz Kind seiner Zeit, ging Freud davon aus, dass Menschen aus dem Tierreich stammen. Bekannt war damals, dass ein äußerlich gegebener Reiz (z. B. ein Tropfen Säure auf die Handfläche) eine Reaktion (das Wegziehen der Hand) nach sich zog. Freud setzte diesem Reiz-Reaktionsschema das Konzept der Triebe entgegen. Reize, so meinte er, sagen nichts über das Innere des Menschen, das er das Seelische (und nicht die Seele) nannte, aus, sie seien rein äußerlich. Triebe aber könnten etwas über das Innere und das Seelische verraten. Trieb sei ein „Begriff der Abgrenzung des Seelischen vom Körperlichen“ und die „Quelle des Triebes“ sei „ein erregender Vorgang in einem Organ.“[12] Freud hat immer darum gerungen, wie es um die Beziehung des Triebhaften zum Seelischen geht. Er schrieb: „Die Psychoanalyse vergißt niemals, daß das Seelische auf dem Organischen ruht, wenngleich ihre Arbeit es nur bis zu dieser Grundlage und nicht darüber hinaus verfolgen kann.“[13]

Freud ging niemals von nur einem Trieb aus. Anfangs unterschied er zwischen dem Selbsterhaltungs- und Sexualtrieben, führte später einen Aggressionstrieb ein, ging dann von der Dualität von Sexual- und Ichtrieben aus und formulierte dann die Dualität von Lebens- und Todestrieben.

In der veränderten Wortwahl zeigt sich die durch neues Wissen veränderte theoretische Ansicht Freuds. Immer wieder formulierte er um, wenn er etwas Neues beobachtet hatte, z. B. dass der von Freud in die Psychoanalyse eingeführte Begriff Narzissmus das Triebschicksal beeinflusste. Freud beobachtete bei seinen Patienten Konflikte, die sich im Seelischen abspielten und fragte sich, was da miteinander in Konflikt geriet. So kam er darauf, dass es offensichtlich im Menschen ein Unbewusstes gibt und entwickelte seine Theorie des Unbewussten, Vorbewussten und Bewussten, um die Konflikte seiner Patienten zu verstehen. Die Beschreibung derartiger Konflikte ist ein dynamischer Gesichtspunkt. Später benutzte Freud seine so bekannten Ausdrücke Ich, Es und Über-Ich mit dem Ich-Ideal, um diese Dynamik zu beschreiben. Freud hatte längst erkannt, dass es mit der einfachen Aufteilung in Unbewusstes und Bewusstes und der Gleichsetzung von Es (als Triebhaftem) mit dem Unbewussten nicht aufging. Alle drei, das Ich, das Es und das Über-Ich haben bewusste und unbewusste Anteile.

Freuds Psychologie ist eine Konfliktpsychologie. Einerseits kämpfen die Triebe miteinander, andererseits können sie sich auch verschränken und zusammenarbeiten. Der Gesichtspunkt des Konfliktes ist der dynamische, eben konflikthafte Gesichtspunkt. Die Entdeckung von Ich, Es und Über-Ich als „Instanzen“ führte zum topischen Gesichtspunkt, der so heißt, weil diese drei Instanzen gewissermaßen Topoi, Orte sind, zwischen denen sich Konflikte entwickeln. Damit das aber geschieht, müssen (Trieb-)Kräfte am Werk sein, der ökonomische (energetische) Gesichtspunkt.

Freud fragte nach dem „Schicksal“ der Triebe. Triebe, so bemerkte er, haben eine Quelle, ein Ziel und ein Objekt. Triebe sind Dränge, Bedürfnisse. Die Quelle eines Triebes ist ein Erregungsvorgang in einem Organ oder auf der ganzen Haut. Wenn dieses Organ bzw. diese Hautstelle gereizt wird, so wird sie gespannt und verlangt nach Spannungsabfuhr. Dieses ist mit Lustempfinden verbunden. „Das Ziel eines Triebes ist allemal die Befriedigung, die nur durch Aufhebung des Reizzustandes an der Triebquelle erreicht werden kann.“[14] Der Körper versucht nämlich, die Spannung immer konstant zu halten, deshalb muss die Spannung abgeführt werden, Spannung kann nicht bleiben. Reizung verschiedener Körperstellen (Mund, Anus, Penis, Scheide) hat einen spezifisch sexuellen Charakter, deshalb nennt Freud diese Körperstellen so genannte erogene Zonen. Auch schon kleine Kinder können diese Zonen reizen und dabei Lust empfinden. Ihre Sexualität ist aber unreif. Dieser Reifungsvorgang der Sexualität ist der genetische Gesichtspunkt. Freud entdeckte nämlich, dass die verschiedenen sexuellen Triebziele zuerst nur Partialtriebe sind, das heißt unverbunden nebeneinander her existieren und zwar sexuell sind, ohne die Qualität einer reifen Sexualität zu haben. Im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung reifen diese Partialtriebe und werden zur Zeit der Pubertät dem gewissermaßen höchsten Partialtrieb, dem phallischen Trieb, untergeordnet – wenn es zu keiner Störung kommt. Dazu gehört, dass erst, wenn der so genannte Ödipiuskonflikt bewältigt ist, die positive Identifikation mit dem Vater vollzogen ist, ein Mensch eine reife, erwachsene Persönlichkeit werden kann.

Denn aufgrund der seelischen Konflikte kann es zu einem Stehenbleiben auf einer früheren Stufe der Sexualitätsentwicklung kommen, der oralen oder analen Stufe, die mit jeweils unterschiedlichen Konflikten verknüpft sind, wodurch sich verschiedene Charakterstrukturen und auch verschiedene Neurosen entwickeln. Auch Paraphilien (Perversionen) gehen mit fixierten Partialtrieben einher. So ist das Sexualobjekt eines Fußfetischisten ein Fuß. Jeder Körperteil kann so Objekt eines Sexualtriebes werden, natürlich auch die Mutterbrust.  Auch diese Objektwahl reift und jedes Kind hat neben der Objektlust am eigenen Körper auch andere Personen als „Sexualobjekt“, mit aller Ambivalenz  Aber auch eine Person als Ganzes kann nämlich Liebesobjekt sein, besonders wenn die Sexualität als gereifte in der Pubertät unter das Primat der Genitalität kommt.

Der Aufbau der Persönlichkeit ist aber brüchig. Jederzeit kann durch einen aktuellen Konflikt diese erwachsene Persönlichkeit zusammenbrechen. Es entwickelt sich dann die Neurose oder psychosomatische Störung. Charakteristisch ist, dass die/der Kranke dann regrediert, das heißt, auf eine der Konfliktebenen auf frühere erogene Zonen (anal, oral, uretheral) zurückfällt. Freud war der Auffassung, dass erst bei Bewältigung des von ihm so genannten Ödipuskomplexes eine Genitalität und damit eine reife Sexualität möglich ist. Eine Regression ist nun ein Rückfall vor die Bewältigung dieses Komplexes, also in präödipale Phasen (oral, urethral, anal).

Zu jeder Neurosengruppe gehört eine entsprechende Bewältigung. Freud entdeckte, dass Patienten oft Widerstände gegen die Aufarbeitung ihrer Probleme entwickeln. Nach und nach wurde klar, dass es verschiedene „Abwehrmechanismen“ gibt, Verdrängung, Wendung gegen das Selbst, Sublimierung, Rationalisierung, Idealisierung, Affektisolierung, Spaltung, Identifizierung mit dem Aggressor, Ungeschehenmachen, Verleugnung usw. Diese Abwehrmechanismen sind auch Bewältigungsssysteme, die je nachdem, auf welcher sexuellen Ebene (oral, anal, genital) der Konflikt abläuft, verschiedene Neurosen entstehen lässt. Freuds Konzept der erogenen Zonen ist also sehr hilfreich, um die Konflikte, die sie ausdrücken, verstehen zu helfen.

Bei der Arbeit mit Patienten geht es nicht einfach nur um das Bewusstmachen dieser Konflikte, Wichtiger und viel erfolgreicher ist die Aufarbeitung mit Hilfe von Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten. Der Patient (wie jeder Mensch) lebt immer im Hier und Jetzt und hat doch zugleich seine ganze Vergangenheit (und die seiner Vorfahren und der Geschichte) bei sich, er merkt es aber vielleicht nicht. Es ist ihm nicht bewusst. Am prägendsten sind seine frühen Erfahrungen mit Mutter (und Vater, mit Geschwistern, mit Heimschwestern usw.). Die Konflikte mit diesen „Objekten“, diesen Beziehungspersonen, und wie der einzelne sie bewältigt hat, prägt das ganze spätere Leben. Diese Konstellationen tauchen szenisch immer wieder in neuen Beziehungen auf, z.B. wie der Mensch mit seinem Ehepartner umgeht. Natürlich prägen sie auch das Arzt-Patient-Verhältnis. Der Patient „überträgt“ seine mit diesen alten Konfliktpartnern erlebten Gefühle auf seinen Therapeuten (und der macht es mit seinem Patienten ebenso). Diese Arbeit mit der Übertragung und Gegenübertragung (und mit Träumen) ist äußerst hilfreich bei der Bearbeitung der Konflikte, die die Grundlagen der Neurosen sind. Aber, wie gesagt, es reicht nicht, sie einfach nur bewusst zu machen. Das oft überraschende Erinnern alter Konflikte (auch dadurch, dass der Patient bemerkt, dass er den Therapeuten behandelt, wie seine Mutter oder seinen Vater) muss immer wieder neu angegangen, also wiederholt werden, um es in der ganzen Dynamik (und Dramatik) verstehen zu lernen, und das heißt eben nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern emotional, ein sehr schmerzhafter Vorgang, wenn jemand z.B. nachvollziehen will, in welchem Ausmaß er von seiner Mutter vernachlässigt wurde. Diese Schmerzen müssen durchgearbeitet werden, der Patient muss sich ihnen stellen, er muss durch sie hindurchgehen.

Diese eben von mir beschriebene Entwicklung ist aber nicht einfach nur Freuds Verdienst. Freud holte sich die Ideen, woher sie immer kamen. Seit seinem Aufenthalt bei Charcot in Paris, der Zusammenarbeit mit Breuer und seinen ersten Untersuchungen zur Hysterie und Neurosenlehre versuchte Freud immer, eine biologische Grundlage seiner Psychologie zu finden. Er merkte, dass er den direkten Anschluss der Psychologie an die Physiologie und Anatomie des Gehirns nicht erhalten konnte, was er bedauerte. Seine Libidolehre und Psychosexualität war gewissermaßen ein Ersatz dafür. Denn Freud glaubte, damit seine Psychologie an ein organisches Substrat, nämlich die libidinösen Triebe anschließen zu können. Das war auch der Grund, warum die Libibidolehre so lange dominant war und fast zum Dogma wurde. Frühe Freudianer wie Bleuler, Jung und Adler trennten sich von Freud, nicht zuletzt wegen Freuds Libidolehre. Freud beharrte lange darauf, dass, wer Freudianer war, seine Psychosexualitätstheorie annehmen musste. Zugleich ging es um das Unbewusste und die Art, wie es zu erforschen war.

Freud lebte und arbeitete in Wien. Er bekam Mitstreiter wie Eugen Bleuler,  C. G. Jung und Franz Alexander in Zürich. So weitete sich Freuds Lehre bis Berlin aus. In dieser Entwicklung veränderte Freud seine Konzepte, sehr viele Mitstreiter trugen zur Neuentwicklung das Ihre bei. So gab Freud z.B. das zuerst stark favorisierte Konzept des psychischen Traumas auf  (das in veränderter Form heute bei der Diagnose PTBS eine große Rolle spielt).

Während Freud anfangs für die psychische Struktur zwischen den Instanzen „Bewusstsein“ (Bw), „Vorbewusstsein“ (Vbw) und „Unbewusstsein“ (Ubw) unterschied und meinte, damit klare Stufen des Bewusstseins entdeckt zu haben, entwickelte er später das Modell von „Ich“, „Es“ und „Über-Ich“, die er im Lauf seiner Forschertätigkeit nicht mehr einfach auf bewusst, vorbewusst und unbewusst aufteilen konnte. Das führte dazu, dass Freud 1923 das Buch „Das Ich und das Es“ veröffentlichte und damit den Blickwinkel weg vom Es und dem Unbewussten auf das Ich und das Bewusstsein richtete. Anna Freud richtete 1936 mit ihrem Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ die Psychoanalyse endgültig auf das Ich aus. Damit ging es nicht mehr einfach um das Unbewusste und wie man mit ihm umgeht, sondern darum, dass das Ich und damit das Bewusstsein jetzt das Ordnungszentrum ist. Freuds Lehre weitete sich weit über die Psychosexualitätstheorie und Libidotheorie aus. Bei vielen gleichzeitigen und späteren Psychoanalytikern spielte sie nur noch eine untergeordnete, oft überhaupt keine Rolle mehr.

Freuds Forschergeschichte entfernte ihn, wie zu erkennen, immer mehr von der materialistischen Betrachtungsweise des Psychischen und damit von der objektiven Psychologie/Psychiatrie hin zu der Erforschung des Bewusstseins und besonders des Unbewussten und damit zu der subjektiven Psychologie, bei der es um die Dynamik des Seelenlebens geht. Dies zeichnet die ganze sich auch unabhängig von Freud weiterentwickelnde Psychoanalyse und Tiefenpsychologie aus.

Hans (Max Johannes) Lungwitz[15], wurde am 19. Oktober 1881 in Gößnitz/Sachsen (heute Thüringen) geboren. Er selbst berichtet, er habe bereits mit vier Jahren Geige gespielt und gelesen. 1887 kam Lungwitz in die Volksschule und an Ostern 1892 auf die Mittelschule. Als er dreizehn Jahre alt war, 1895, „zog die Familie nach Altenburg [Thüringen], und Lungwitz trat dort in die Untertertia des humanistischen herzoglichen Gymnasium Ernestinum ein. Im Gegensatz zu den naturwissenschaftlichen Fächern Mathematik und Physik interessierten ihn hier besonders die Sprachen (Latein, Griechisch, Französisch, Althochdeutsch und Hebräisch).“  1896 starb der Vater, die Mutter zog zu der verheirateten Schwester von Hans Lungwitz und er „Lungwitz blieb allein in Altenburg zurück, und hielt sich als „möblierter Herr“ mit der Gabe von Nachhilfestunden über Wasser und bezog herzogliche Stipendien. Seine Freizeit verbrachte er mit

künstlerischer Betätigung: Dichtung, Malerei und Musik. Er spielte Geige, Cello und Klavier.“ „1901 bestand er das Abitur als Jahrgangsbester mit der Note Eins in allen Fächern.“ Ihm wurde angeboten, an der Landesuniversität Jena zu studieren, was er ablehnte. Stattdessen begann er im Sommersemester 1901 ein Studium an der Universität Greifswald. „Er widmete sich den Alten Sprachen, der Philosophie und der Psychologie,“ wechselte dann aber im Wintersemester 1901/02 zum Studium der Medizin. Er studierte dann an der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität München und in Halle an der Saale. Hier belegte er zusätzlich Chemie. „1905 beendete er nach fünf Semestern sein Chemiestudium mit dem Staatsexamen und der Dissertation „Condensation von Zimtaldehyd mit organischen Basen der aromatischen Reihe“, wofür er den Titel Dr. phil. erhielt. Im Rahmen seines Medizinstudiums legte er 1904 die Vorprüfung und 1906 nach zehn Semestern das Staatsexamen ab.“ Danach absolvierte er in Köln am Kinderhospital der Akademie für praktische Medizin seine Praktisches Jahr und verfasste „seine medizinische Dissertation „Stoffwechselversuche über den Eiweißbedarf des Kindes“.“ Dann zog er nach Berlin um und arbeitete „auf der Inneren Abteilung des Augusta-Hospitals“. Am 14 Februar 1908 erlangte er die Approbation und promovierte am 26. Mai 1908 zum Dr. med. Er ließ sich dann ärztlich in seiner ersten allgemeine Praxis nieder und arbeitete gleichzeitig im privaten Kurfürsten-Sanatorium.

„Seine Mutter Bertha Lungwitz, geborene Oertel, stammte aus der Nähe von Chemnitz, interessierte sich für die Naturheilkunde und erteilte dahingehend Ratschläge.“ Wohl daher hatte Hans Lungwitz auch Interesse an Heilmitteln, Entsprechend „gründete er 1908 ein Unternehmen für Heilmittelprodukte, die Hephata GmbH[16]. Mit der dazugehörigen „Zentrale für Diabetikerbedarf“ versuchte er seine medizinischen und chemischen Kenntnisse durch Produkte wie z. B. „Diabetiker-Tabletten Hephata“ oder „Dr. med. Lungwitz-Hephata-Brot“ in bare Münze umzuwandeln. Er war Redakteur und Herausgeber diverser wissenschaftlicher medizinischer Zeitschriften, die zum Teil in seinem eigenen Verlag, dem Adler-Verlag (gegründet 1909) erschienen: „Therapeutische Rundschau“, „Moderne Medizin“, „Beiträge zur forensischen Medizin“, „Archiv für Stadthygiene“

und „Diabetiker-Zeitung“. In diesen Zeitschriften veröffentlichte er Beiträge zu medizinisch-wissenschaftlichen und medizinisch-sozialpolitischen Themen. Er verfasste drei Bücher über Diabetes mellitus: „Über die Grundlagen der Zuckerkrankheit“, „Nahrungsmittel-Tabellen für Diabetiker“ (beide erschienen 1912) und „Das neue Kochbuch für Zuckerkranke“ (zusammen mit Freiin von Münchhausen, erschienen 1913). Zusammen mit Lipliawsky[17] verfasste er das Handbuch „Die Radioelemente in der Heilkunde“ (1913), das ins Italienische und Japanische übersetzt wurde. Eine englische Ausgabe vereitelte der Erste Weltkrieg“, in dem Lungwitz als Militärarzt eingezogen wurde.

Man sieht, wie sich Lungwitz um die Volksgesundheit heilkundlich bemühte. Er wollte aufklären und heilen.

Schon als Zehnjähriger soll Hans Lungwitz seinen ersten Roman („Die Bösen werden bestraft“) geschrieben haben. Um die Zeit des 1. Weltkriegs schrieb er Dramen („Der Sündenfall“, „Gunhilds Traum“; „Der Prophet im Vaterlande“) und Romane („Führer der Menschheit?“,„Der letzte Arzt“). Bedeutsam für seine weitere Entwicklung waren aber die „neurosepsychologischen“ Romane: „Lamias Leidenschaft“ (1914), „Welt und Winkel“ (1916/17), „Die Hetäre“ (1920) und hier besonders „Lamias Leidenschaft“.

Dieser Roman löste nämlich einen Skandal und einen Prozess aus. Hans Lungwitz erhielt „1921 eine Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften“. Er wurde„wegen Vergehens wider die Sittlichkeit nach § 184 ST.G.B. angeklagt.“ Der Prozess wurde für den 29. Oktober 1921 angesetzt. Hans Lungwitz wurde zwar freigesprochen, er musste aber „alle Exemplare des Buches „Lamias Leidenschaft“ sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen unbrauchbar machen.“

Das scheint Hans Lungwitz schwer getroffen zu haben. Denn „das Jahr 1921 brachte eine radikalen Wendepunkt in Lungwitz ́ Leben. Er stellte seine bisherigen Tätigkeiten auf dem Gebiet der Sozialreform ein, begann sich intensiv mit er Psychoanalyse Freuds auseinanderzusetzen und hatte bei Abraham in nicht gekanntem Ausmaß „persönlichen Unterricht“. Als Ursache für diese Zäsur werden mangelnder schriftstellerischer wie reformerischer Erfolg, ein Verfahren wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften („Lamias Leidenschaft“) und daraus resultierend eine Lebenskrise des 40-Jährigen angenommen.“

Als Folge des Urteils bearbeitete Hans Lungwitz den Roman „Lamias Leidenschaft“, er ersetzte die vom Gericht beanstandeten, angeblich unzüchtigen Stellen, gab den Personen des Romans andere Namen, veränderte teilweise die Charakteristik der Personen und gab dem Roman einen neuen Namen „Einer Mutter Liebe“. 1925 gab er die drei „psychoanalytischen“ Romane („Lamias Leidenschaft“, „Welt und Winkel“, „Die Hetäre“ „neurosepsychologische“ Romane heraus. In seinem Vorwort zur Neuauflage schreibt Hans Lungwitz, „der Roman „Lamias Leidenschaft““ behandele „ im weitesten Sinne gesehen das Mann-Frau-Problem, speziell aber das Mutter-Sohn-Problem im Hinblick auf den Inzest.“ „Lamias Leidenschaft“ trug 1920 nur die Unterschrift „Ein Roman““. Die drei Bücher erschienen in den späteren Ausgaben „jeweils als „Ein psychoanalytischer Roman“ in der „Schule der Erkenntnis“.“ In einer nicht erschienenen Neuauflage der drei Romane sollte der Untertitel „Ein Roman aus der Neurosenkunde“ lauten.

Wie weit Lungwitz schon vor 1920 Kenntnisse der Psychoanalyse hatte, ist unklar. Er selbst sagt dazu: „Die Psychobiologie ist ein Weiterbau  der Psychoanalyse ….  das psychobiologische Denken ist mir eingeboren, und die Gedanken, die ich jetzt niederschreibe, finden ich in nuce in allen meinen früheren, lange vor der Bekanntschaft mit der Psychoanalyse, z.T. schon in den Studienjahren verfaßten und gedruckten Arbeiten.“

Der Prozess und die mit ihm zusammenhängenden Anfeindungen veranlassten Hans Lungwitz 1921  offenbar, sich „intensiver“ mit der Psychoanalyse auseinanderzusetzen. Es ist nicht bekannt, was mit „persönlicher Unterricht“ bei Karl Abraham (1877–1925) gemeint ist. Der Bremer Karl Abraham war zeitweise Assistent des berühmten Psychiaters Egon Bleuler im Burghölzli in Zürich. Ihn interessierte Freuds Psychologie und er ging 1908 nach Berlin, um sich als Psychiater und Neurologe niederzulassen. 1920 gründeten Karl Abraham, Max Eitington und Ernst Simmel die allererste psychoanalytische Klinik der Welt in Berlin. Dann im Jahre 1923 errichteten sie auch in Berlin das erste psychoanalytische Ausbildungsinstitut der Welt, das bis zur Auslöschung durch die Nazis das wichtigste psychoanalytische Institut der Welt war. Denn erst hier wurde die psychoanalytische Ausbildung formal geregelt. Hans Lungwitz war also nach der Gründung der Berliner psychoanalytischen Klinik, aber noch vor der Gründung des Berliner Psychoanalytische Instituts bei Karl Abraham an der richtigen Adresse.

Wenn man es auch nicht beweisen kann, gehe ich der Vermutung nach, dass Hans Lungwitz sich bei Karl Abraham 1921 über Freuds Sexualtheorie und die Inzestproblematik informiert hat. Es war von daher ein „persönlicher Unterricht“ als „persönliche Unterrichtung“ und Information. Jedenfalls keine Lehranalyse, die ja erst nach 1923 formal geregelt wurde.

Diese Unterrichtung hat Hans Lungwitz vermutlich schwer enttäuscht. Sie führte vielleicht auch dazu, dass er in Absetzung von der Psychoanalyse Freuds jetzt konsequent seine eigene Lehre, die Psychobiologie und Erkenntnistherapie ausbaute und u.a. darin seine eigenen Ideen zur Sexualität und zum Inzestproblem einbaute. In Konsequenz aus seiner Enttäuschung nannte er seine drei „psychoanalytischen“ Romane jetzt „neurosenpsychologische“ Romane.

Wie schon oben gesagt, hat Lungwitz gleich nach dem Abitur 1901 an der Universität Greifswald u.a. Psychologie studiert, bevor er sich der Medizin zuwandte. Es ist anzunehmen, dass er dabei die objektive Richtung der Psychologie kennengelernt hat. „Nach eigenen Angaben hatte sich Lungwitz bereits“ in der Frühzeit seines Studiums „intensiv mit dem „Problem Mensch“ beschäftigt, schon 1903 den Begriff „Psychobiologie“ geprägt und das „Leib-Seele-Problem überwunden“. Das weist daraufhin, dass er den Ausdruck „Psychobiologie“ geprägt hat, um seine Ansicht in die Formel zu fassen, dass das Subjekt, die Seele = (ein) Nichts und das Objekt, die Physis = (ein) Etwas ist. Er schreibt: „Das Verhältnis Physis: Psyche“ sei „ein Fall von polarer Gegensätzlichkeit, deren besonderes Merkmal darin“ bestehe, „daß Physis wahrnehmbar, Psyche nicht wahrnehmbar“ sei. „Das Nichtwahrnehmbare“ sei „das Subjekt: es kann sich nicht selbst wahrnehmen, sondern immer nur das Objekt, das Wahrnehmbare.“ Psyche  „also das wahrnehmende (nicht wahrnehmbare) Subjekt, Physis das wahrgenommene Objekt.“ „Das Nichtwahrnehmbare nennen wir eben Psyche, das Wahrnehmbare Physis.“ Die Physis sei veränderlich, die Psyche nicht veränderlich.  „Da alle Wesen bisexuell“ seien, sei „Wahrnehmung der allgemeine Begriff für die interindividuellen Beziehungen.“

Mit dieser Ansicht zieht er seine eigene radikale Konsequenz aus der materialistischen Ansicht Friedrich Albert Langes von der Psychologie ohne Seele: Die Seele ist ein Nichts. Und stellt sich damit ganz einseitig auf die Seite des „Etwas“, der materiellen Physis. „In den Jahren von 1921 bis 1923 verfasste Lungwitz erste Aufsätze auf dem Gebiet der Psychologie.“

1924 schrieb Lungwitz seine Schrift „Über Psychoanalyse“[18]. Möglicherweise hat Lungwitz diesen Titel gewählt, weil Sigmund Freud selber eine Schrift – es handelte sich um fünf Vorlesungen, die er zur 20jährigen Gründungsfeier der Clar University in Worcester, Mass. 1909 gehalten hatte – mit diesem Titel herausgegeben hatte.[19] Hans Lungwitz´s Büchlein „Über Psychoanalyse“ kam in der Reihe „Schule der Erkenntnis. Monographien zur Psychobiologie“ heraus. Im Vorwort  schreibt Lungwitz: „Mit Schule der Erkenntnis“ bezeichne ich – neben meiner unmittelbar-persönlichen Tätigkeit – eine Schriftenreihe, die der psychobiologischen Betrachtung der Dinge gewidmet ist. Die Bekanntschaft mit diesen Schriften bedeutet nicht bloß eine Vermehrung des Wissens, sondern auch eine Erweiterung der Einsicht in die Zusammenhänge, einen Gewinn an Weisheit.“[20]

Während an anderer Stelle Lungwitz schrieb, er habe die Psychobiologie schon als Student entwickelt, schreibt er jetzt im Buch „Über Psychoanalyse“: „Die Psychobiologie ist, wie gesagt, aus der Psychoanalyse hervorgegangen, und es erschien mir daher richtig, zunächst eine kurze Darstellung zu geben, aus der die analytische Denkweise ersichtlich ist. Dieser Aufgabe wird hoffentlich die vorliegende Broschüre genügen. Sie ist als eine Art Einführung in mein Hauptwerk „Psychobiologie“ anzusehen“.[21]

Es geht Lungwitz aber, obwohl er Sigmund Freud mehrmals positiv nennt, nicht um die Freudsche Psychoanalyse, sondern um seine eigene Interpretation der Psychoanalyse. In der Einleitung schreibt er: „Denn ich treibe Psychoanalyse nach meiner Art, meiner Persönlichkeit gemäß, wie jeder Psychoanalytiker diese höchst persönliche Kunst nur auf seine Art ausüben kann, wenn auch die allgemeinen Grundsätze der Methodik feststehen; es verhält sich hier genau so auf allen andern medizinischen Gebieten. Ich treibe Psychoanalyse als angewandte Psychobiologie.“[22]

Das ist der Grund, warum es oft schwer ist, wenn Lungwitz von Psychoanalyse spricht, zu entscheiden, meint er dabei die Psychoanalyse Freuds oder seine eigene Interpretation.

1932 erschien die „Erkenntnistherapie für Nervöse“. Es folgte im Abstand mehrerer Jahre als Hauptwerk das mehrbändige „Lehrbuch der Psychobiologie“.

Wie gesagt, stand Hans Lungwitz ganz auf der Seite der biologisch orientierten materiellen, objektiven Psychologie. Er konnte mit der subjektiven Psychologie und dem Seelenbegriff, dem Psychischen nichts anfangen, auch nichts mit entsprechenden philosophischen Richtungen und Erwägungen. Sie blieben ihm fremd. So sagt er: „Der kategorische Imperativ I. Kants, das „Sittengesetz in uns“, Fr. Nietzsches „Wille zur Macht“, A. Schopenhauers „Wille“, E. v. Hartmanns „Unbewußtes“  u. a. philosophische Synonyma für „Seele“ oder „Kraft“ spuken in mancherlei Gestalt auch in der Psychologie“.[23] Das trifft auch auf die Tiefenpsychologie mit Freud, Adler, Stekel, Groddek usw. zu.

Lungwitz hat versucht, sich mit der Psychoanalyse und der Individualpsychologie Alfred Adlers auseinanderzusetzen. Er habe (Entdeckung S. 416) „die Freudsche Lehre theoretisch und praktisch studiert“. Er betont: „Die psychoanalytischen Erfahrungen haben die Formulierung meiner Anschauung erheblich gefördert.“ Ich nehme an, dass Lungwitz seine psychobiologischen Ansichten in scharfer Abgrenzung zu der Psychoanalyse Freuds und damit als Abgrenzung zu der subjektiven Psychologie formuliert hat. Diese war ihm unheimlich und gänzlich fremd. Er konnte mit dem subjektiven Seelischen nichts anfangen. Und Freud war der Vertreter dieser Richtung, den er kannte.

Auffällig ist, wie oft Lungwitz das Psychische als dämonologisch bezeichnet, also geradezu dämonisiert. Für ihn ist das Psychische, das Bewusstsein, das Unbewusste usw. alles nur Fiktion, und nicht real. Seelisches sei dämonisch.

Entsprechend schreibt er in dem Buch „Erkenntnistherapie für Nervöse“ über Freud und die die Psychoanalyse:

Bei Freud gäbe es eine „dämonologische Hierarchie des Es, Ich und Über-Ich, des Unbewußten und Bewußten mit zwischenliegenden Zensurstellen“[24],  Freud habe die „verdrängenden „seelischen Mächte“ „in seiner „Metapsychologie“ zu einer Hierarchie und Anarchie dämonischer Instanzen „geordnet“, Freuds „ganze Theorie“ sei „als eine moderne Dämonenlehre anzusprechen.“  Das Kennzeichen des dämonistischen Sehens sei der Zweifel. … Die  Psychoanalyse aber trage zur Behebung des Zweifels nicht nur nichts bei, sondern vermehre mit ihrem Libidinismus und Psychologismus, die beide höchst zweiflerisch und zweifelhaft seien, den Zweifel derer, die diese Fiktionen annähmen.[25]

Ähnliche Zitate finden sich in Fülle auch in den anderen von mir benutzten Büchern von Lungwitz. So: „Das Bewußtsein spielt immer auch die Rolle eines Dämons, sogar die des Oberdämons, der ein Gott oder ein Teufel sein kann“.[26] Und „Es zeigt sich, daß die Freudsche Traumlehre eine moderne Dämonologie ist; dies trifft für die ganze Freudsche Psychologie und Psychotherapie zu, die Psychoanalyse gehört zu den wissenschaftlichen Suggestionsmethoden, stellt als solche aber ein Denkmal forschenden Genies dar.“[27]  „Die S. Freudschen „psychischen Instanzen“ (Unbewußtes, Vorbewußtes, Bewußtsein, neuerdings Es, Ich und Ueber-Ich, letzteres etwa die neue Auflage des Nietzscheschen [infantilen] Ueber-menschen) erweisen sich auf Schritt und Tritt als dämonischen Geblüts, als Fabelwesen, die nur in der dunstigen Welt der sog. „Metapsychologie“ atmen können.“[28]

Für Lungwitz gab es kein Psychisches im Sinne der subjektiven Psychologie. Psyche war ihm ein „Nichts“. Zudem sei „das Subjekt das Nicht-Bewegliche und nicht Bewegte“. „Zwischen Subjekt, Seele, Nichts und Objekt, Physis, Etwas“  sei „„Wirkung“ (Wechselwirkung) schlechterdings unausdenkbar. […] Zwischen Psyche und Physis, Nichts und Etwas gibt es überhaupt keine Handlung.“[29] Freud lasse „im Körper eine Seele wohnen, in der sich allerhand Vorgänge, Verdrängungen, Kämpfe zwischen seelischen Instanzen und Kräften usw.“ abspielten, „die mit dem Körper in Wechselwirkung“ stünden „(z.B. Konversionen. d. i. Umsetzung seelischer Kräfte ins Physische, analog den „psychogenen Wirkungen“, die ein Leben für sich führt und in ihren Verhaltensweisen nach dem Muster des physischen Lebens geschrieben werden“ könne – „sie, die doch „unerforschlich““ sei. „Die in den Leib fingierte Seele“ habe „dämonischen, dämonistischen Charakter“.“[30]

Bei der Besprechung von Freuds Traumlehre als Beispiel für die dynamische Psychologie Freuds durch Hans Lungwitz  beschäftigt Lungwitz sich mit den „Instanzen“ „Es ist das Unbewußte, Vorbewußte und Bewußtsein. Zwischen ihnen waltet „die Zensur“ ihres hohen Amtes; ich kann diese nur als eine dämonische Macht auffassen: sie verhält sich zu den andern Dämonen alias psychischen Instanzen bald streng, bald nachgiebig, indem sie Ungehöriges zurückdrängt, anderes Psychische zuläßt.“[31] Und kommentiert dann: „Die Zitate zeigen, daß Freud den Traum im wesentlichen als ein Ergebnis des Ringens psychischer Kräfte, des Ankämpfens verdrängter Wünsche gegen die verdrängenden psychischen Instanzen ansieht; diese psychischen Kräfte erweisen sich in ihrem ganzen Gebaren, wie es Freud beschreibt, als echte Dämonen, die den Menschen besessen halten und in ihm ihre eifersüchtigen Kämpfe um den Vorrang exekutieren; die menschliche Seele ist der Schauplatz dieser kriegerischen oder diplomatischen Ereignisse, sie ist Schauplatz und zugleich „Instanz“, zugleich auch Gegeninstanz: Seelisches kämpft in der Seele gegen Seelisches! Wenn das nicht Mystik ist!“[32]  Und schreibt: „Alle diese „Repräsentanzen“ muten einen geradezu wie Persönlichkeiten in der Persönlichkeit an, wie selbständige Wesen, die sozusagen nach bestem Wissen und Gewissen in dem von ihnen besessenen Individuum ihr Spiel treiben und die Lebensäußerungen dieses Individuums, insbesondere seine „libidinösen“, verursachen oder bedingen. Die Analogie mit den Dämonen ist sinnfällig.“[33]

Freuds Psychologie ist aber, wie oben schon beschrieben, eine intrapsychische Konfliktpsychologie, die auf der Libidotheorie basiert. Für Freud war das Psychische erforschbar, nicht unerforschlich, wie es Lungwitz meinte. Die Psychoanalyse ist eine dynamische Psychologie. Für Freud war die Psychoanalyse über die Libido und die Triebe biologisch fundiert, wenngleich er lebenslang gehofft hatte, einen Anschluss an das Gehirn zu bekommen. Denn er wusste wohl, dass das Seelische mit dem Gehirn zusammenhängt. Aber auch, dass das Gehirn nicht das Seelische ist. Er entschied sich, seine Forschungen ganz auf der Seite der subjektiven Psychologie anzusetzen, weil ihn interessierte, was sich im (unbewussten) Seelenleben seiner Patienten abspielt.

Dieser von ihm als dämonistisch abgelehnten subjektiven Psychoanalyse Freuds setzte Lungwitz seine biologistische Psychobiologie entgegen, die er nach seiner Aussage aus der Psychoanalyse abgeleitet hat. Doch aus welchem Teil der Psychoanalyse hatte Lungwitz seine Anleihen gemacht? Aus der von Lungwitz als dämonistisch abgelehnten Libidotheorie! Natürlich nicht direkt von ihr und insbesondere nicht aus der subjektiven Psychologie. Lungwitz interessierte sich besonders für den genetischen Gesichtspunkt der Psychoanalyse, also um den Gedanken der Entwicklung und Reifung des Psychischen. In diesem Gesichtspunkt hat Lungwitz Freuds in der Libidotheorie mitangelegtes Entwicklungsmodell für seine eigenen Ideen aufgenommen und psychobiologisch, das heißt biologisch, physiologisch, materiell umgebaut. Lungwitz schreibt selbst dazu:

„Die Psychoanalyse, die von Breuer und Freud gefunden und von Freud und seinen Mitarbeitern ausgebaut worden ist, halte ich dem Prinzip nach, nämlich als Einführung des genetischen Gedankens in die Neurosenlehre für den wichtigsten Fortschritt auf diesem Gebiete und ihre Auffindung und Ausarbeitung für eine geniale Leistung. Aber sie ist in der Durchführung irregegangen — in der Art, daß das ganze große Lehrgebäude auf dem schmalen Fundament einiger Erfahrungen an (zunächst hypnotisierten) Hysterischen unter unzulässigen Verallgemeinerungen errichtet wurde. Obendrein verliert sich die psychoanalytische Theorie, die im wesentlichen von Freud stammt, in psychologische Spekulationen; wie oben einige angeführt. Energetisches ist eingemengt, aber die Biologie ist so gut wie völlig vernachlässigt, wie denn Freud der Ansicht ist, daß alle Versuche, die psychischen Phänomene aus der Biologie des Gehirns usw. zu verstehen, scheitern müssen. (Vorlesungen z. E. in d. Psy.).“[34]

Lungwitz hat dabei eine strenge, biologistische, man kann sagen fatalistische Ansicht. Am Anfang vereinigt sich ein Ei mit einer Samenzelle: „Daran wird ja wohl niemand zweifeln können, daß der Mensch aus einer väterlichen und einer mütterlichen Keimzelle entsteht und von Anbeginn ein bisexuelles Wesen ist und dieses auch selbstverständlich bleibt.“[35] Da ist schon alles bestimmt.

„Die Psychobiologie hat zuerst klargestellt, daß das Individuum Moment der Amphimixis (Vereinigung von Samen- und Eizelle) fix und fertig ist, wie sich übrigens schon an der allgemein bekannten Tatsache zeigt, daß dieser Mensch sich nur aus „seiner“ Keimzelle und jener aus der „seinigen“ entwickelt hat. Alle auf die Keimzelle folgenden Entwicklungsstufen sind lediglich biologische Entfaltungen des zuerst in Form der Keimzelle existenten Individuums; die Keimzelle ist das biologische Symbol aller Entwicklungsstufen des eben aus ihr sich entwickelnden Individuums, und die Annahme von Innen- und Außenfaktoren ist lediglich eine Deutung, die im  dämonistischen Denken liegt.“[36]

„Ich wies ja schon darauf hin, daß jeder Mensch auch als Erwachsener doch „nur“ ein großes Kind ist, daß der Inhalt seines Lebens spätestens im Momente der „Amphimixis“, der Vereinigung von Ei und Samenzelle, bestimmt wird und daß das ganze künftige Leben nur Entfaltung der im Keim gegebenen Form bedeutet.“[37] Was beginnt, ist bei bei Freud eine sich dynamisch entfaltende Entwicklung des Seelenlebens eines Menschen, bei Lungwitz dagegen eine  starr verlaufende Entfaltung eines biologisch schon Vorgegebenen. „Die Erlebnisse vom Augenblicke der Entstehung an, dann das Geburtsereignis mit seinen Besonderheiten und die sich anschließenden frühen Eindrücke des Daseins“ bilden „gewissermaßen das Fundament,“  „auf dem sich das individuelle Schicksal errichtet.“[38] „Die biologischen Verhältnisse der Empfängnis, der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten Kindheit — im Verein mit stammesgeschichtlichen Tatsachen — sind das Material der Persönlichkeit.“[39] „Alle körperlich-geistige Entwicklungsstadien“ stellten „immer nur eine erweiterte Erinnerung aller vorangehenden Stufen, zurückgehend bis zur frühesten Kindheit, ja bis zum Keim und sogar darüber hinaus bis zum Anfang alles Seins“ dar.[40]

Wie Matthias Miener schreibt, gibt es nach Lungwitz in der Entwicklung des Kindes  die „präonanische’ Periode und die ‚onanische’ Periode, die normalerweise um das zwölfte bis 14. Lebensjahr einsetzt und bis zum Beginn des ‚koitalen’ Alters anhält. Diese untergliedert sich in die ‚promiskuale’ Periode, mit erstem, teils wechselndem Geschlechtsverkehr und die ‚konjugiale’ Periode, die die Zeit der festen Bindung in einer Ehe bezeichnet.“[41]

Es entwickeln sich dabei nach Lungwitz entsprechend dem Reifen der Hirnrinde verschiedene „Weltanschauungen“. In seinem Buch „Über Psychoanalyse“ beschreibt Lungwitz eine „Einteilung der Hirnrinde in vier Denksphären: die einbryonale (sensile), die infantile (modale), die juvenile (motivische) und die mature (realische), sowie ihre Entwicklung usw.“[42], während er mit der betonten Bemerkung „Die Hirnrinde ist ein Organ für sich“ im neu abgedruckten Vorwort zur 1. Auflage der „Entdeckung der Seele“ nur drei Denksphären unterscheidet, „die sensile (Gefühls-), die  modale (Gegenstands-) und die idealische (Begriffs-) Sphäre. Diese Gliederung entspricht sowohl dem histologischen Bilde wie der Lokalisationstheorie wie den psychologischen Erfahrungen, die ich besonders beim Studium gesunder und kranker, besonders neurotischer Menschen sammeln konnte.“[43] Lungwitz führt dann fort: „Zur Entdeckung der Seele, der polaren und der interpolaren Gegensätzlichkeit, der Hirnrinde als „Organs für sich“ und ihrer Gliederung in die Denksphären, zur Erkenntnis der Psychologie als einer biologischen Wissenschaft gesellt sich die Erkennung der Denkweisen, die im Gange der menschlichen Entwicklung nacheinander sich ablösen: auf die fötale und die frühinfantile (chaotische) Denkweise folgt die spätinfantile (animistische, magische, mythische, mystische), die juvenile und frühmature (motivisch-kausale, psychologisch-naturwissenschaftliche), die höchstmature (realische) und endlich die senile (ultimär-chaotische), – die Weltanschanungslehre. Der Motivismus-Kausalismus in seinen Ab- und Ausformungen entpuppe sich als „verdünnter“ Dämonismus.“  „Ich nenne das mature oder realische Denken auch das kognitive, das erkennende; der realische Mensch erkennt den Kausalismus als Name und Begriff für die Denkweise einer bestimmten biologischen Entwicklungsstufe des Denkens, der Weltanschauung, erkennt ihn als Fiktion, die allen Zauber, alle Rätsel, alle Wunder, alle Tugenden und Laster des Dämonismus in sich faßt, erkennt ihn als  Präsentanten der einzigen Frage, die der Mensch stellt und die das prinzipielle Problem aller (motivischen) Wissenschaft ist: der Frage nach dem Ursprung.“[44]

Die Psychobiologie steht nach Lungwitz auf dem realischen, maturen, d.h. reifen Standpunkt. Freuds Psychoanalyse aber ist nach Lungwitz (wie alle Vertreter der subjektiven Psychologie und Bewusstseinsphilosophen) motivisch-kausalistisch und damit „verdünnter“ Dämonismus. Denn er „lebt noch in der motivischen Sphäre, auch er glaubt, Psychisches zu beschreiben.“[45]

Für Hans Lungwitz ist auch Freuds Libidolehre bzw. Psychosexualitätstheorie, also Freuds Trieblehre dämonistisch, eine Irrlehre. Für Lungwitz gab es, wie gesagt, kein Psychisches im Sinne der subjektiven Psychologie. Er stellte sich ganz klar auf die Seite der materiellen Physis.

Das betrifft auch die Libidolehre von C.G. Jung:

„Die einseitige, ja ausschließliche Betonung der Libido kann, falls überhaupt, nur zu einer Karikatur von Weltanschauung führen, und auch die Apotheose der Libido, die der Züricher Freudapostat C. G. Jung verkündet hat, zeigt allenthalben, daß hier wie bei Freud Wesentliches übersehen oder mißdeutet wird, daß der Rausch der libidinösen Deuterei, eine Art gedankliche Dionysiade, die Welt, wie sie ist, verhüllt hat. Auf der Grundlage der Libidotheorie, die noch dazu metaphysisch aufgefaßt ist, konnte sich auch bei so bedeutenden Forschern wie Freud und Jung als Weltanschauung nur ein Mystizismus ergeben, in dessen düsterem Bereich die Tatsachen und die Wissenschaft keinen Platz mehr haben, sondern nur noch (bestenfalls logisch geordnete) Spekulationen ihr Wesen oder Unwesen treiben.“[46] „Auch die Jungsche Religiosität um die Libido ist Mystik, Zweifel, wie überhaupt die dämonistische Religiosität Zweifel ist. […]  Die psychoanalytischen Lehren aller Richtungen geben keine Erkenntnis; es werden zwar gewisse naturwissenschaftliche Tatsachen mitgeteilt, und insofern mehren sich die Kenntnisse der Hörer und Leser, aber alle diese und alle anderen Tatsachen sind zu dämonistischen, ihrem Wesen nach zweifeligen Theorien verarbeitet, und der Mensch, der diese Fiktionen annimmt, kommt nur immer tiefer in den Zweifel hinein, statt aus ihm erlöst zu werden.“[47]

Lungwitz bezieht sich bei seiner Ablehnung der Libidolehre auf die Ansichten anderer Fachleute, nämlich von Nerven- und Seelenärzten. „Worin ist wohl der Grund zu dieser z.T. überaus schroffen Ablehnung zu suchen? Hört man die gegnerischen Meinungen und liest man die gegnerischen Schriften, so schält sich immer wieder aus all dem „Belastungsmaterial“ der eine Vorwurf klar hervor: die Psychoanalyse führe alle neurotischen Symptome und schließlich alle psychischen Erscheinungen auf die Sexualität (Libido) zurück. Dieser Vorwurf ist das Hauptargument der Ablehnung.“[48]

Freilich habe „Freud der Kritik einen gewichtigen Trumpf zugespielt, indem er die Auffassung“ vertrete, „daß die Sexualität oder Libido die allgemeine Ursache der neurotischen Phänomene ist. Dies ist ein logischer Fehler, der jedem seiner Leser oder Hörer, der sich anschauungsmäßig zu seinem System verhält, wo nicht in voller Klarheit, so doch als das unbehagliche Gefühl bewußt wird, daß das System hier einen Bruch hat. […] Die Sexualität oder die Libido kann selbstverständlich nicht Ursache oder Bedingung ihrer Erscheinung sein. Wie soll man sich das vorstellen? Sie wird ja auf diese Weise aus den Erscheinungen herausbugsiert, als ein besonderes Vorher gesetzt, das-die Macht habe, sich zu manifestieren und so den psychophysischen Betrieb Organismus zu dirigieren. Sie wäre also ein Wesen für sich, gewissermaßen selbständig, hätte die gleiche Position inne wie die Psyche selbst, sofern man für diese ein separates Sein vindiziert. wäre dieser am Ende gleichgestellt oder mit ihr identisch – oder vielleicht nur mit dem „Unbewußten“? Kurz, man gerät beim Weiterspinnen dieses fiktiven Fadens rettungslos in eine Mystik, die jede beliebige Kombination gestattet.“[49]

In der Tat warfen Adler, Bleuler, Jung und andere Freud seine Libidotheorie als zu einseitig vor. Freud brauchte seine Libidolehre lange fast wie ein Dogma, um als Forscher zu bestehen. Später bei der geglückten Konsolidierung und Ausweitung der Psychoanalyse ins Ausland konnte er dann seine Libidolehre relativieren. In der Folgezeit trat die Libidotheorie in der Psychoanalyse deutlich zurück.

Hans Lungwitz lehnte die Libidolehre also ebenfalls ab. Andererseits lobte er die Psychoanalyse, weil sie Sexualität ins Spiel gebracht hatte:

„Daran wird ja wohl niemand zweifeln können, daß der Mensch aus einer väterlichen und einer mütterlichen Keimzelle entsteht und von Anbeginn ein bisexuelles Wesen ist und dieses auch selbstverständlich bleibt.Und weiter behauptet ja schließlich auch die Psychoanalyse grundsätzlich nichts. Sie stützt sich auf die biologischen Grundtatsachen des Daseins und weist mit allem Nachdruck darauf hin, daß es gar keinen Sinn haben kann, vor ihnen die Augen zuzumachen, sie bleiben doch in all ihrer Unerschütterlichkeit bestehen.“[50]

Hans Lungwitz äußert aber eine deutliche Kritik:

„Immer zu Zeiten der alternden Kultur und der hereinbrechenden Zivilisation macht sich ein Überwiegen der Hirnsphäre über die Genitalsphäre bemerkbar. Auch die Psychoanalyse ist ja eine Anerkennung dieser Tatsache; denn ihre Beziehung zu Sexualsphäre ist wie die aller Sexualwissenschaft „platonisch“. Die Tat ist zur Lehre geworden – im allgemeinen wie im Speziellen; Sexualität ist Wissenschaft geworden, und es ist im Sinne der Geistigkeit der männlich-weiblichen Beziehung gleichgültig, ob man die Sexualität ablehnt oder anerkennt: gesprochen und geschrieben wird doch davon. So oder so, und dies eben ist die Art, wie in zivilisierten Zeiten sich eine erhebliche Quote der Sexualität erfüllt. Der Kampf gegen die Sexualität ist also ebenso zeitgemäß wie der Kampf für die Sexualität: beide sind Zeichen der fortschreitenden genitalen Impotenz, die das wesentliche Merkmal des Verfalls eines Kulturkreises ausmacht. In solchen Zeiten wird auch immer Sexualität mit Genitalität verwechselt – gleichsam als wolle man sich über den abstrakten Charakter der Sexualität gegenüber der Konkretheit der Genitalien hinwegtäuschen. Eine ganze Reihe von Aussetzungen an der Freudschen Lehre beruht auf dieser Verwechslung.“[51]

„Überhaupt habe Freud in seinen „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ ein verzerrtes Bild der kindlichen Psyche entworfen, da er seine Erkenntnisse ja nur aus dem Umgang mit Neurotikern gewonnen hätte und so zwangsläufig das Kind als „libidinöses“ oder gar „polymorph veranlagtes“ Wesen ansehen müsse und sogar zu dem Schluss komme, eine (Sigmund Freud, 3 Abhandlungen zur Sexualtheorie, 8. Auflage, Wien 1947  S. 54 )„gleichmäßige Anlage zu allen Perversionen“ als „das allgemein Menschliche und Ursprüngliche zu sehen“.“[52] „Krankheit dürfe mit Gesundheit nicht vermischt werden.“[53]

„Das menschliche Sein“ setze „sich aus ‚Genik’ (Gebiet der Zeugung) und ‚Trophik’(Gebiet der Ernährung im weitesten Sinn) zusammen. Bei beiden Arten der Genik geht es nach Lungwitz um Liebe.“[54]

„Beim Neugeborenen sind diese Gebiete noch undifferenziert, und erst um das zweite bis dritte Lebensjahr beginnen sie sich auseinanderzuentwickeln, erlebt das Kind die Mutter als Ernährerin oder platonische Liebesperson. Die ‚Genik’ lässt sich nach Lungwitz weiterhin in sinnliche und platonische ‚Genik’ unterteilen. Beim Kind entwickelt sich die platonische ‚Genik’ weitaus schneller als die sinnliche. Die Aktualitäten, die das Kind erlebt, sind dennoch primär und überwiegend ‚trophischer’ Natur, während seine ‚genischen’ Aktualitäten, die Liebe, die das Kind zu seinen Bezugspersonen empfindet und von ihnen empfängt, platonisch geprägt sind.“[55]

Das heißt, sie seien nicht sexuell zu verstehen, wie in Freuds Libidotheorie. Denn Freud unterscheide nicht zwischen sinnlicher und platonischer Liebe und sehe jedes Kind nur unter dem Libido-Aspekt.[56]

„Es wäre unzulässig, allen Kindern diese krankhaften Verhaltensweisen unterzuschieben, und Freud vermenge dadurch Krankes mit Gesundem, zumal er schon nicht zwischen sinnlicher und platonischer Liebe unterscheide und jedes Kind nur unter dem Libido-Aspekt sehe.“[57]

„Es ist aber ein groteskes Mißverständnis der biologischen Verhältnisse, das Kind als „multipel-pervers“ (Freud) oder als „universell-kriminell“ (Stekel) anzusprechen. Multipel-pervers soll heißen, aus der kindlichen Libido könnten sich alle möglichen Formen, auch der Perversionen, entwickeln; diese Libido wäre also ein Homogenes, das erst im Laufe der Entwicklung sich zu allerhand Besonderheiten, auch sexualpathologischer Art aufteilte. […] Die Deutung menschlicher Verhältnisse derart, daß das Kind „multipel-pervers“ oder „polymorph-pervers“ oder „universell-kriminell“ sei, ist ein Musterbeispiel für die Verwahrlosung des motivischen Denkens.“[58]

Besonders der Ödipuskomplex macht dabei Hans Lungwitz zu schaffen:

„Lungwitz gesteht […] zwar eine gewisse sinnliche Komponente der Kind-Elter-Beziehung ein, lehnt aber den Ödipuskomplex, wie ihn Freud postuliert, kategorisch ab. Eine Konstellation wie beim Ödipus- bzw. Elektrakomplex sieht er schon als pathologisch an, da sie über das normale Kind-Elter-Verhältnis hinausgeht und nur bei Kindern vorkommt, bei denen die Reflexsysteme der sinnlichen ‚Genik’ hypertrophiert seien. Solche „Inzestneurotiker“ werden entweder Inzest begehen oder eine inzestuöse Liebesbeziehung oder Ehe eingehen.“[59]

Der Libidotheorie Freuds setzt Lungwitz seine eigene Trieblehre entgegen.

Psyche und Physis waren, wie gesagt, für Hans Lungwitz ein „anschauungsgemäßer Gegensatz.“[60] Und damit ein Dualismus. Immer gäbe es Dualismen. „Wollen wir aber, in Erkenntnis dieser Tatsache, dennoch Gegensätze unter einen gemeinsamen Begriff subsumieren, also ein monistisches  Ideal aufstellen, so schlage ich vor, diesem „Prinzip“ den Namen „Trieb“ zu geben, weil dieses Wort auf die Beziehung männlich-weiblich abgestimmt ist und zugleich als Inbegriff energetischer Vorstellungen bereits den Charakter der Allgemeingültigkeit an sich trägt, also sämtliche Phänomene der „reinen“ Konkretheit bis zur „reinen“ Abstraktheit umfaßt. Trieb ist griechisch Eros. Die Urbeziehung ist männlich-weiblich. Diese beiden Ur-Teile des Ganzen, die im Laufe der menschlichen Entwicklung in zahllose Teilchen aufgesplittert werden, nenne ich Eronen (oder Eronten) und sage: die interindividuelle Entwicklung besteht zwischen den Eronen und ihren Komplexen, den Elementen, einfachen und komplizierten anorganischen und organischen chemischen Verbindungen und den organisierten Verbindungen; alle Veränderungen sind Wechsel dieser Beziehungen, also Abgabe und Aufnahme von Eronen und ihren Komplexen. Alles Geschehen spielt sich zwischen den Geschlechtern ab, ist dasselbe wie Abgabe und Aufnahme von Eronen und ihren Verbindungen. Die Eronen sind männlich und weiblich.“[61] Das Bewusstsein sei die organspezifische Form des Triebes.[62]

„Es ist ganz gleichgültig, welchen Namen man dem Prinzip beilegt, das als Gegensatz erscheint. Wem Sexualität nicht paßt, der sage Trieb oder Naturgesetz oder All oder Nichts oder Schicksal oder Wille — das Prinzip kann heißen, wie man Lust hat es zu taufen, es bleibt immer Prinzip, und darauf allein kommt es an. Oder wenn man das Einzelwesen als Repräsentanten der Sexualität kennzeichnen will, spreche man von Persönlichkeit, psychophysischem Organismus, Individualität — wie es euch gefällt, wenn nur über eines Klarheit herrscht: daß es nämlich z w e i  (nicht eins und nicht drei) Geschlechter gibt und daß der Wechsel der männlich-weiblichen Beziehungen das ausmacht, was wir Geschehen nennen. Man muß sich beinahe schämen, diese Selbstverständlichkeit auszusprechen, wenn es nicht Aufgabe der Wissenschaft wäre, Selbstverständliches bewußt zu machen, und wenn nicht das Selbstverständliche dem menschlichem Verstande am unverständlichsten wäre. Es gibt zwei Geschlechter auf Erden, merkt es euch, liebe Leute!“[63]

Anders als Freud mit seiner Libidolehre und der Reihe von Trieben, die miteinander im Konflikt lagen, nahm Lungwitz nur einen Trieb als gegeben an. Daher entfiel auch die Möglichkeit, dass Triebe miteinander in Konflikt gerieten und eine Psychodynamik.

Freud hatte lange darum gerungen, wie er die Vererbung, die Heredität als Faktor der Entwicklung einzuschätzen habe. Im 19. Jahrhundert, aus dem sowohl Freud als auch Lungwitz stammten, war die Heredität von „Geisteskrankheiten“ ein Dogma. Freud löste sich nach und nach von diesem Dogma. Oder genauer gesagt, die Heredität war für ihn nicht der entscheidende Faktor, das Primat hatte für ihn die psychosexuelle Entwicklung.

Hans Lungwitz behielt aber alte objektiv-psychologische Vorstellungen aus dem 19. Jahrhundert bei, z.B., „dass das Verhalten des Menschen ausschließlich reflektorisch“[64] verlaufe. Das 19. Jahrhundert war ja das Zeitalter der Reflexologie, man denke an Bechterew und Pawlow.

In diesem Sinne meint Lungwitz: Das Verhalten des Menschen verlaufe untereinander ausschließlich reflektorisch und  das Bewußtsein sei nicht etwa, wie Freud meine, eine übergeordnete, kontrollierende beschließende Instanz ist, sondern auch nur eine Form, in der der Trieb erscheine, „nämlich die Funktion der Hirnrinde, die im biologischen Sinne eine Funktion ist wie jede andere und keinen Vorzug“[65] habe.

Die Reflexologie kommt ohne Subjekt, ohne Ich, aus. Da ist es verständlich, dass Lungwitz das Freudsche Ich für ein mythologisches Konstrukt hielt. Lungwitz Idee der Entwicklung aus der „Amphimixis“ passt gut dazu. Für ihn ist nämlich hier schon (hereditär) angelegt, was aus diesem Ur-Ei wird. Entscheidend ist der Trieb bzw. die Qualität des Triebes. Es kann ein Trieb sein, der zu psychisch gesundem Leben führt, der Trieb kann aber auch krank sein, dann entwickelt sich der Mensch aus einer von Anfang an krankhaften, neurotischen Anlage. Die drei Gruppen der Nervosität (Neurasthenie), Hysterie und der psychosexuellen Störungen seien: „gegeneinander nicht scharf abzugrenzen.“[66] Sie seien: „sämtlich Ausdrucksformen des Trieblebens“[67], bzw. „eine besondere Ausdrucksform des Triebes.“[68]

Lungwitz leitet aus dieser Entfaltung der Denkweisen seine Neurosenlehre ab.   Grundsätzlich ist für Lungwitz Neurose anders als bei Freud eine körperliche Krankheit, die er zu den so genannten funktionellen Krankheiten, also Leptosen zählt.[69] Dabei ist „die Neurose ist eine besondere Ausdrucksform des Triebes.“[70]

Für Lungwitz gibt es keinen seelischen Dynamismus, überhaupt ist für ihn Kausalität Dämonismus. Entsprechend gibt es für ihn auch kein von außen auf die Psyche einwirkendes psychisches Trauma:   „Das verursachende psychische Trauma gefunden […] kann auf keine Weise gefunden werden: es existiert nämlich gar nicht!“[71] „Mit der Erkenntnis, daß das psychische Trauma Fiktion ist, fällt der ganze Freudsche (Adlersche, Jungsche usw.) Fiktionalismus in sich zusammen.“[72]

Anlässlich seiner Erwähnung des psychischen Traumas kommt Hans Lungwitz auf Alfred Adler zu sprechen: „Ein gesunder Mensch könne „„durch äußere Einwirkungen“ nicht krank werden, sondern ein Mensch, der in irgendeinem Sinne krank wird, wird es entwicklungsmäßig, und war schon ab ovo mindestens latent krank […].  Die Annahme also, ein gesunder Mensch werde durch ein „psychisches Trauma“ Neurotiker, und es bedürfe nur der Bewußtmachung dieser „Ursache“, dann wäre die Neurose geheilt, ist eine leere Fiktion, die von jeder Erfahrung widerlegt wird. Übrigens hat A. Adler diese Fiktion übernommen und ausgebaut, indem er den Menschen von Anfang an gleiche Seelen zubilligt, die auf die äußeren Faktoren reagieren, so daß die Neurose — die normale Reaktion der Seele auf norme äußere Umstände ist! Daß Adler und seine Anhänger die erbbiologischen Tatsachen ignorieren oder negieren, ist bei dieser Auffassung nur folgerichtig, nicht aber tatsachenrichtig, ja ein schon entscheidendes Argument gegen die Gültigkeit des Adlersehen Gedankenbaues.““[73]  Ganz zweiflerisch seien „auch die Adlersche Fiktion von den „gleichen Seelen“ oder die Kronfeldsche[74] vom überindividuellen „psychischen Kontinuum.“ Das seien „lediglich mystische Annahmen, Zeugnisse weltanschaulicher Ratlosigkeit, da sei „keine realische Klarheit und Sicherheit.“[75]  Aus der Fiktion und dem „Dogma von den „ursprünglich gleichen Seelen““  „ergibt sich folgerichtig, aber natürlich ebenfalls fiktional, also nicht tatsachenrichtig die weitere These, daß es Vererbung nicht gibt, also die erbbiologischen Forschungen und Ermittlungen barer Unsinn sind. Die Individualpsychologie betonte mit einer Art Stolz, sie räume mit den alten Anschauungen von vererbten Anlagen, von Talent, Genie und Begabung auf (IV. Kongr. 1927). Ihre Doktrinäre suchten also die fundamentale biologische Tatsache, daß das Kind von Vater und Mutter gezeugt ist, daß die Keimzelle die Verschmelzung der elterlichen Keime ist, die je das Gesamt des Vaters, der Mutter im Sinne der biologischen Symbolik darstellen, hinwegzutheoretisieren und so die biologischen Gemeinschaften Familie, Sippe, Stamm, Volk, Rasse dogmatisch zu zersetzen. Jeder gesunde Mensch erkennt schon hieran das Abwegige der Adlerschen Lehre, erkennt aber auch, daß diese Lehre die psychologische Seite eines irrigen Internationalismus, eines mißverstandenen Sozialismus, einer krankhaften Form der menschlichen Entwicklung ist. Die infektiöse (suggestive) Gefahr besteht darin, daß alle Welt (bis auf die Psychobiologen) noch irgendwie an die im Leibe hausende dämonistische Seele glaubt, die nun freilich – als göttlich usw. — in jedem Menschen „wesensgleich“ gedacht werden muß.“[76] „Weiterhin folgt — wiederum logisch angereiht, aber nicht tatsachenrichtig — aus der Fiktion der „gleichen Seelen“ die fiktionale Behauptung, die ursprünglich gleichen Seelen würden durch die Einwirkungen der Außenwelt ungleich.“[77] Es bleibe „gänzlich unverständlich, wie die Außenwelt die Seele verändern“ könne, „und ferner, daß das Wesen der Außenwelt unerörtert und unerkannt“ bleibe. „Also die Seele wird von der Außenwelt beeinflußt, und die Seele reagiert auf diese Einflüsse, und ist die Außenwelt krank, dann ist eben die Neurose da, d. h. die normale Reaktion der Seele auf die kranke Außenwelt. Mithin ist der Neurotiker eigentlich gar nicht krank, sondern die ihn umgebende Außenwelt, auf die seine Seele reagiert, ist es, und so kann die Heilung der Neurose nur darin bestehen, daß man die Außenwelt normalisiert, d. h. nach Adler für alle gleich macht. Diese theoretische Entdifferenzierung ist aber gänzlich unbiologisch und praktisch undurchführbar.“[78]

„Eine höchst merkwürdige Verkennung der Tatsachen“ sei „fernerhin die Behauptung Adlers wie übrigens auch Freuds, ihre Lehren seien „biologische“, indem sie nämlich ihre Beschreibung des ,,seelischen“ Geschehens nach dem Muster der Biologie (wobei also „die Seele“ das unerforschliche Mystikum bleibt) mit der eigentlich-biologischen Beschreibung des sogenannten Seelischen verwechseln, d. h. sie übertragen einfach die Methodik der biologischen Beschreibung auf „das Seelische“, obwohl sie gar nicht wissen, was „das Seelische ist“ und wähnen nun, sie hätten „die Biologie des Seelischen“ angegeben, sie beschrieben biologisch! Und auch diese Selbsttäuschung, dieser Irrtum macht Schule bei allen „Seelengläubigen“, auch sie wähnen in ihrer unkritischen Harmlosigkeit, Freud und Adler und ihre Nachfolger hätten tatsächlich „das Leben der Seele“ beschrieben, und urteilen in dem Trugschlusse: es gibt im Leibe die Seele; gäbe es keine Seele im Leibe, so könnte man sie nicht beschreiben; Freud und Adler usw. beschreiben sie aber sogar biologisch, also gibt es die Seele ins Leibe. Diesen Suggestionierten fällt es gar nicht auf, daß Freud und Adler „die Seele“ ja bloß nach dem Muster der Biologie beschreiben, ohne im geringsten auch nur die Frage nach dem Wesen der Seele aufzuwerfen, geschweige gar sie zu lösen.

Tatsächlich sind solche „Seelenbeschreiber“ nichts weiter wie Märchenerzähler; […] Welch ein seltsamer Widerstreit zwischen dem Anspruch der Individualpsychologie, sie setze an Stelle des physikalischen und chemischen ein biologisches Weltbild, und dem schon angeführten weiteren Anspruch, sie räume mit der Erbbiologie auf! Wie soll wohl ein biologisches Weltbild — „biologisch“ richtig verstanden — ohne Einbeziehung der Erbbiologie möglich sein! In der Tat ist das „Weltbild“ weder Freuds noch Adlers biologisch, und die Verwendung dieses Wortes innerhalb dieser Lehren ist ein Mißverständnis, mit dem die Autoren sich und ihre Anhänger irreführen. Ein wahrhaft biologisches Weltbild gibt und kann nur geben die Psychobiologie; sie allein beschreibt die Entstehung des Bewußtseins, die sogenannten seelischen Vorgänge als biologisches Geschehen.“[79] „Nur einem Mißversteher in seiner dämonistischen Dialektik“ könne es einfallen, „biologische Tatsachen wegreden oder an ihnen vorbeireden zu wollen.“[80]

„Durch die Einwirkungen von außen auf die an sich gleichen Seelen, so lehrte Adler, bildet sich in der Seele des Menschen schon von ganz früher Kindheit an eine Lebenslinie, ein Leitziel. Dadurch, daß das Kind seine Schwäche dem Größeren, Älteren gegenüber erkennt, entsteht das Minderwertigkeitsgefühl. Diese wird überkompensiert durch das Streben nach Macht, nach Überlegenheit, nach Geltung.“[81] „Was meint Adler? Er deutet die einfache Entwicklungstatsache, also die Tatsache, daß das Kind heranwächst, psychologisch aus, er fingiert in den wachsenden Organismus eine durch die Umwelt verursachte seelische Zielstrebigkeit‘) hinein, die wie ein Dämon das Kind vorwärts treibt, „seelische Bewegungen“, die von dem „fiktiven Ziel“ der Überlegenheit, ja Allüberlegenheit richtungsmäßig bestimmt werden, — womit denn dieses Ziel, obwohl es doch „fiktiv“, ein „teleologisches (finalistisches) Kunststück der Seele“ ist, wiederum mit einer dämonischen Macht (nämlich der, die Richtung der seelischen Bewegungen zu bestimmen) ausgestattet wird. Mit welcher Berechtigung, wenden wir ein, wird denn aber die einfache Entwicklungstatsache derart dämonisiert? Daß jedes Kind heranwächst, ist doch als eine einfache biologische Tatsache vollkommen zu verstehen. Und das vermeintliche fiktive Ziel ist doch nur in der Beschreibung, die das Kind den Entwicklungsphasen in ihren Zusammenhängen gibt, vorhanden, nicht also etwa in Form eines „seelischen“ Gebildes, das doch nur (schon als die Richtung der seelischen Bewegungen bestimmend) als eine Art Dämon gedacht werden kann. […] Richtig ist, daß die Adlersche Deutung der Wirklichkeit vollkommen Hohn spricht.“[82] „Die Individualpsychologie“ suggeriere „dem Kranken, seine Neurose sei durch die Einflüsse der kranken Umwelt verursacht. […] Der beabsichtigte Erfolg solcher Suggestionen kann doch nur der Verzicht nicht nur auf das angebliche fiktive Lebensziel, sondern auf das Streben nach Größe, nach hervorragender Leistung überhaupt sein.“[83]

So baue „die Individualpsychologie das Lebensziel ab. Die echte, hohe Leistung wird „psychologisch“ entwertet, als nicht erstrebenswert, ja, als sozial unerlaubt, als krankhaft hingestellt. Die Nivellierung von groß und klein — darauf kommt es an. Alle Menschen leisten vermöge der gleichen Seelen unter gleichen Umständen Gleiches, also mache man die Umstände gleich, dann sind alle Menschen und ihre Leistungen gleich, und die Neurosen, die doch nur eigentlich von der Umwelt erzeugtes Streben nach Größe sind, sind verschwunden!“[84] So lehre „die Indivual-Psychologie (lucus a non lucendo!) tatsächlich die Verneinung der Persönlichkeit […] das Aufgehen der Individualität im Brei der Masse, den Verzicht auf persönliche Höher-und Höchstleistung. Sie preist tatsächlich den Verzicht auf Heldentum als — Heldentum, und ihre Ermutigungstherapie ist tatsächlich Ermutigung zur Unterwerfung. Man versteht, wie eng sich eine solche Lehre mit der mißverstandenen christlichen Lehre berührt, und man versteht, daß die Adlersche Irrlehre in unserm kranken Kulturkreise bei all den Theologen, die die christliche Lehre als eine Lehre der Selbstentmannung mißverstehen,  Anklang und Anhang finden konnte. Man versteht auch, daß diese Bazillenweisheit in unserm kranken Kulturkreise weitere Massen infizieren konnte.“[85] „Was versteht Adler unter „normal“? Den Abbau des (gesunden) Machtstrebens, des Wetteifers um heldische Ziele, die Nivellierung der Menschen — falls so ein Abbau des Gesunden möglich wäre — würde Adler normal nennen, ich unnormal!“[86]  „Vor Gott sind alle Menschen gleich“ — dieser Spruch“ werde „übel mißverstanden: als „Ermutigung“ zur allgemeinen Gleichmacherei, zur Vermeidung der hervorragenden Leistung. […] Nach Adlerscher, lies: kollektivistischer Doktrin ist jeder ein Krümelchen im Brei der Masse gleich jedem andern Krümelchen, und es ist Krankheit oder Verbrechen („nervöse oder soziale Entgleisung“), aus der Menge hervorzuragen.“[87]

„Eine Seitenlinie der Freudschen Psychoanalyse ist die „Individualpsychologie“ Alfred Adlers. Lebt Freuds Psychoanalyse ausschließlich in der genitalen Sphäre und den vermeintlichen „Wandlungen des Libido“, so die Adlersche Psychoanalyse ausschließlich in der sozialen Sphäre und zwar im kollektivistischen Niveau. Die Gesamtnatur des Menschen bleibt hier wie da unberücksichtigt. Weist Freud angeblich nach, daß die Ursache der Neurose die Verdrängung geschlechtlicher Wünsche sei, so Adler, „daß die Ursache der meisten (sic! L.) nervösen und (sic! L.) sozialen Entgleisungen in dem Überwiegen des Persönlichkeitsgefühls über das Gemeinschaftsgefühl zu suchen ist“ (F. Künkel). Irgendeine Angabe, was unter „Persönlichkeitsgefühl“ und was unter „Gemeinschaftsgefühl“ zu verstehen sei, findet sich nicht vor.“[88]

Zu Recht kritisiert Hans Lungwitz wie an diesem Beispiel „Verschwommenheit im Wortgebrauch, der wir in der Individualpsychologie begegnen“[89] und „daß vielfach Ausdrücke verwendet werden, die ebensowohl als Bezeichnungen für normales wie für abnormales Erleben gelten können.“[90]

Dem Kranken werde „ unter Verwendung populär-philosophischer Belehrungen aus der skizzierten fiktionalen Denkweise zugeredet, das „überwiegende Persönlichkeitsgefühl“ abzubauen. Hierbei werden die Über-Unterschätzungen, die fiktionalen Deutungen der Nervösen nicht der realischen Weltanschauung gegenübergestellt, sondern die nervösen Symptome, die nervöse Persönlichkeit werden selber fiktional gedeutet und obendrein das normale Geschehen als abnorm mißverstanden: jeder Mensch strebe nach Allüberlegenheit, jedes Kind habe Minderwertigkeitsgefühl und strebe nach überlebensgroßen Zielen, Besitz sei nicht Gemeinschaft, also muß doch wohl auf Besitz verzichtet werden usf.  Aus solchen Fiktionen folgt doch, daß auch jeder gesunde Mensch Neurotiker sei! Jeder gesunde Mensch strebt nämlich nach Größe, Macht, genischem und trophischem Besitz. Je mehr der Neurotiker der Suggestion erliegt, daß nicht nur sein angebliches „fiktives Ziel“, das ihm sein durch die angeblich kranke Umwelt erzeugtes „Geltungsbedürfnis“ (als Pendant des Minderwertigkeitsgefühls) vorgaukelt, sondern überhaupt jedes Geltungsstreben, jedes Streben nach Überlegenheit krank sei, wird er im Sinne des primitiven Menschen, der magmatischer „Kollektivmensch“, „Gemeinschaftsmensch“ ist, auf Persönlichkeit, auf Differenzierung“) (suggestiv!) verzichten; das wäre ja dann Abbau des Persönlichkeitsgefühls!“[91]

„Der gesunde Erwachsene, der ausdifferenzierte Mensch“ aber sei „Gemeinschaftsmensch im Sinne der wahren Volksgenossenschaft (wie immer das System gestaltet und bezeichnet sein mag). Der Mensch, d. h. jeder Mensch ist ein zoon politikon, auch der Individualist. Auch hierin sieht die „Individualpsychologie“ unklar.“[92] „Jeder Mensch, auch jeder Neurotiker“ befinde“  „sich auf jeder Entwicklungsstufe innerhalb einer gewissen Lebenssphäre, zu der auch gewisse Menschen“ gehörten.[93]

„Die individualpsychologische Analyse ist eine Ermittelung der Entwicklungsgeschichte des Neurotikers im historischen (formalistischen) Sinne unter dem Gesichtspunkte der angegebenen Theorie, also mit der Tendenz, nachzuweisen, daß der Neurotiker einem fiktiven Leitziel nachjage, daß in den besprochenen Situationen das „Persönlichkeitsgefühl“ stärker als das „Gemeinschaftsgefühl“ gewesen sei und noch sei, daß das Symptom Ausdruck des „männlichen Protestes“ (eine arg verunglückte Bezeichnung für eine obendrein schief gesehene Verhaltensweise des Nervösen) sei, daß er seine Symptome „mache“, „arrangiere“, um sich der Aufgabe zu entziehen (wie steht’s da mit der „Einwirkung der Außenwerte?) usw. Kurz, es werden die neurotischen Symptome im Sinne der indivdualpsydiologischen Theoretik gedeutet. Hierzu wird die Traumdeutung ganz im psychoanalytischen Sinne betrieben.[94]

Das sei aber falsch:

„Die Psychobiologie hat stets betont, daß die Heilung des Nervösen mit der Normalisierung seiner Weltanschauung zusammenfällt; dies eben bedeutet: Ausgleich der Entwicklungsdifferenz der Persönlichkeitsanteile, Nachentwicklung der infantilistischen Funktion der kranken Reflexsysteme. Das „Weltbild“, das somit entsteht, muß aber das realische sein, sonst kann von Heilung im eigentlichen Sinne nicht gesprochen werden. Das „psychoanalytische Weltbild“, sofern überhaupt von einem solchen die Rede sein kann, hat sich uns als eine Karikatur von Weltanschauung erwiesen, — und dies gilt nun auch für das individualpsychologische Weltbild.“[95] Es gehe „um die Erreichung der entwicklungsmäßigen Ziele, insgesamt: um die Erreichung der heldischen Menschlichkeit, in die es im Pubertätsübergange eintritt. Das gesunde Kind kennt kein „Minderwertigkeitsgefühl“. Dies ist die Wirklichkeit — und die Wirklichkeit kann am Ende der Wirklichkeit nicht Hohn sprechen.“[96] „Überhaupt“ werde „gesund“ und „krank“ in der Individualpsychologie heillos vermengt, identifiziert oder verwechselt.“[97]

Soweit zu Adlers Individualpsychologie.

Was ist nach Lungwitz ein Neurotiker?

Der Neurotiker sei der Mensch, der sich nicht entwickelt hat. Der stehengebliebene Mensch. Er ist laut Lungwitz „aus dieser Kindheitsstufe überhaupt noch nicht herausgekommen.“[98]

Zur Neurose nach Lungwitz gehört, dass auch sie in den vormaturen Sphären stehen-/steckenbleibt. Sie sei ein „Infantilismus“. „ Im Falle der Neurose sind gewisse Systeme funktionell infantil geblieben, ihr Entwicklungsniveau ist verschieden von dem der andern Systeme, die mit Ihnen zusammen den Organismus bilden; der Reflexablauf dieser „zurückgebliebenen“ Systeme ist ein nahes Analogen zum infantilen Ablauf, innerhalb eines im übrigen höherdifferenzierten Organismus, nur sind diese kranken Funktionen spezifitätgemäß gewuchert (hypertrophiert) und dabei ausgealtert (die kranken Reflexsysteme sind jeweils ebenso alt wie die reiferen), dazu pervers assoziiert, sind also als infantilistisch oft nicht ohne weiteres, d. h. ohne fachmännische Einsicht erkennbar.“[99]

Die Entwicklung der Reflexsysteme, auch der Denkzellen „geht nun nicht immer in einheitlicher Front vor sich, sondern gewisse Reflexsysteme können auf einer frühen (kindlichen, infantilen) Entwicklungsstufe stehenbleiben, während sich die anderen höher entwickeln, Die zurückgebliebenen Reflexsysteme — ich nenne sie die infantilistischen — können sich vermehren, wuchern, hypertrophieren, und sie tun das besonders in der Zeit der Entwicklungsschübe, also z. B. ist also beim Eintritt ins Schulalter, später in die Pubertätsperiode, die sich zunächst vom 14. bis zum 16. Jahre, in ihren letzten Erhebungen bis in spätere Jahre erstreckt. Diese Reflexsysteme sind die kranken. Es kann auch eine Verödung (Hypo-Atrophie) solcher infantilistischer Reflexsysteme eintreten: dann können sich „Ausfallserscheinungen“ bemerkbar machen. Meist besteht die Hypo-Atrophie neben der Hypertrophie. Alles Zuviel und alles Zuwenig ist krank. Sind die krankhaften Veränderungen grober (geweblicher) Art, so sprechen wir von organischen, besser anatomischen Krankheiten; sind sie „feinerer Art“ (also makro- oder mikroskopisch noch nicht nachweisbar), so sprechen wir von funktionellen Krankheiten; ich bezeichne erstere als Hadrosen (griech. hadros, grob), letztere als Leptosen (leptos, fein), mit Rücksicht darauf, daß bei jeder Funktionsstörung auch (klinisch unmerkliche) gewebliche Veränderungen vorhanden sind, die Unterscheidung „funktionell“ und „organisch“ also ungenau ist. Krankheit ist also, ganz allgemein, Infantilismus.“[100]

„In pathologischen Fällen ist die Entwicklung bestimmter (der so-spezifischen) Gebiete (Reflexsysteme) derart gestört, daß sie anatomisch (stofflich) oder funktionell im embryonalen-frühinfantilen Entwicklungsniveau verbleiben. In solchen Fällen kann es also zur Verfrühung oder Verspätung oder zum Ausbleiben der Zeugungsreife kommen — wie zu viel andern Krankheitssymptomen. „Neurose“ und „Psychose“ z. B. sind Bezeichnungen für die ungleichmäßige funktionelle Entwicklung des Gehirns: einzelne Teile, speziell der Hirnrinde, sind embryonal oder frühinfantil geblieben, haben sich zwar im Laufe der Jahre biologisch verändert, sind auch mit zugehörigen modalen und idealischen Zellen zum System assoziiert, aber ihre Organisationsstufe, ihre Funktionsweise ist im Vergleich zu denen der übrigen Hirnteile ein Anachronismus, Infantilismus. Dazu kommen die Perversionen der sensibel-motorisch-sekretorischen Verbindungen usw. Ist z. B. die den Genitalien zugeordnete sensile Denksphäre z. T. embryonal oder infantil geblieben, so passieren die von diesen Höhlen ausgehenden sensilen Eronen Zellen, deren Aktualität kurz gesagt embryonale oder frühinfantile Gefühle sind, zwar nicht dieselben, aber doch wesentlich nicht verändert, sondern nur dem Lebensalter des Individuums sprechend nuanciert. Das Liebesgefühl ist dann nicht „erwachsen“, nicht „echt“; es widerspricht sozusagen den übrigen Gefühlen, die Aktualitäten erwachsener Denkzellen sind, und ebenso den reiferen modalen oder idealischen Aktualitäten. Die Möglichkeiten der Variationen der individuellen Besonderheiten sind unübersehbar und erfordern eine Darstellung für sich.“[101]

Daher komme es, dass Neurose nach Lungwitz „Weltanschauungskrankheit“[102] und „primitivster Dämonismus“[103] ist. Der Neurotiker leide an der Dämonie. Der Kern jeder Neurose sei der Zweifel.[104] Der Neurotiker habe, „soweit krank, hauptsächlich die frühkindliche Weltkatastrophe nicht durchlebt,“ sei „in jener Frühzeit mit ihren Deutungen stecken geblieben.“[105]  Gesundheit sei die Norm, Krankheit sei Infantilität. Neurosen seien also Normabweichungen.[106] Wie schon gesagt: „Alle Formen des Individuums, die von frühester Lebenszeit, nämlich von der Gründung, der embryonalen Entwicklung, der Geburt an, während des Lebens bis zum Tode zum Vorschein“ kämen, seien „Entfaltungen der „Urform“, also mit dem Keime da. Insofern sie von der gültigen Norm abweichen, nennen wir sie krankhaft.“[107] Neurosen gehören also nicht zur gültigen Norm. „Der gesunde Mensch ist das Maß aller Dinge. Er ist selber das Gesetz, die Norm“ „Der Gesunde … kann gar nicht anders, seine Reflexorganisation ist eben gesund. … Er ist der „gerade Charakter“, der aufrechte und aufrichtige Mensch.“[108] „Das kranke Erlebnis“ aber könne „auch topisch nur krank sein, nur eine kranke Richtung haben.“[109]

Der Gesunde löst alle seine (seiner bilog. Beschaffenheit angemessenen S. 102 f.) Aufgaben, kommt ans gesunde Ziel, seine Leistungen sind gesund. Der Neurotiker dagegen vollbringt niemals eine gesunde (echte, wahre usw.) Lösung seiner Aufgabe, sondern eine normferne, bestenfalls normnahe (scheinnormale) „Lösung“, kommt niemals ans gesunde, sondern ans normferne, bestenfalls normnahe Ziel, leistet niemals Gesundes, sondern normfernes, bestenfalls normnahes, niemals gesund, sondern normfern bis bestenfalls fastnormal.   […] Wer die zuständigen Normalleistungen nicht kann, d.h. falsch-fehl ausführt oder vor ihnen ausweicht, ist eben krank.“[110]

Die Wurzeln der Neurose und ihre Symptome reichten nach Lungwitz „bis in die erste Lebenszeit, also bis in den Mutterleib, ja bis zur Gründung des Menschen aus Ei und Samenzelle zurück.“[111]

„Die Neurose gründet sich, wie ich schon sagte, bereits während der Entwicklungszeit im Mutterleibe im Einklang mit biologischen Faktoren, die mit der Menschwerdung überhaupt zusammenhängen; sie erhält eine starke Förderung durch die Geburtserlebnisse und die Eindrücke der frühen Kindheit. […] Und mit dem Heranwachsen des Kindes wächst die Neurose mit; […] Und wie sich in der Nähe der Pubertät (Geschlechtsreife) Leib und Seele des Kindes weiterhin entfalten, so treibt auch die Neurose in die Blüte.“[112]

„Der Neurotiker sucht gewissermaßen ein Ziel, das er nicht erreichen kann. er sucht es nicht mit Bewußtsein, es treibt ihn entgegen aller Vernunft – wie soll das Bewußtsein sich wehren gegen den Trieb, dessen organspezifische Form es ist. […] der Gesunde verlegt triebmäßig das Objekt seines Sehnens in die Umwelt und ist so immer am Ziele, ohne es zu suchen. Der Neurotiker aber hat kein Sehnen, er hat Sehnsucht, und alle Sucht hat die Eigenschaft, unerfüllbar zu sein, da die Sucht selber die mögliche Erfüllung bedeutet. Das „Objekt“, dem der Neurotiker unbewußt anhängt, ist, wie ich psychoanalytisch gefunden habe, der Mutterleib – in dem Sinne. daß der Neurotiker von sich sagen könnte: ich bin noch im Mutterleibe, daß er sich so verhält, als ob er noch Embryo, noch ungeboren wäre.“[113]

Es geht beim Neurotiker also immer um die Mutter: „Die Einstellung des männlichen und weiblichen Neurotikers zur Welt ist eine unablässige Variation desselben Themas: Bindung an die Mutter in Form der die ursprüngliche Vereinigung und Trennung repräsentierenden Symbole“.[114]

„Je mehr sich das nervöse Kind (aber) der  Geschlechtsreife nähert, desto schärfer prägen sich die neurotischen Züge aus, desto reichhaltiger wird das „Programm“ der Neurose, desto mehr Zweige treibt der Baum, mit dem wir die Neurose verglichen haben.  Der Eintritt der Pubertät endlich läßt die Neurose zur Blüte kommen.“[115]

„Die Zeit um die Pubertät ist jedenfalls für das künftige Geschick des Menschen von großer Bedeutung. Die physischen Veränderungen des reifenden Organismus fasse ich als definitive Ausgestaltung der Formen auf, in die das Ursymbol eingegangen ist und deren Gesamtheit eben die Einstellung des Subjekts zur Objektwelt bedeutet. Sind diese Formen ihrem Ursprunge nach abnorm, von der Regel abweichend, neurotisch, so wird auch ihre Ausgestaltung diesen besonderen individuellen Charakter beibehalten: dann kommt das klare Bild der Neurose zum Vorschein mit der Endgültigkeit der körperlichen Erscheinung.“[116]

„Der Fetischist, der Masochist, der Sadist, der Homosexuelle und alle andern Vertreter der sog. Perversionen“ seien „Neurotiker, und die Besonderheit ihrer Triebrichtung“ könne  „nur verstanden werden, wenn man sie auf die Entstehungsperiode, auf die ehemalige Beziehung Mutter-Kind und die ersten Bewußtseinserscheinungen des Menschen, die Gefühle,“ zurückführe. Auf die entscheidende Bedeutung dieser Beziehung habe Lungwitz schon 1914 in seinem psychoanalytischen Roman „Einer Mutter Liebe“ hingewiesen.[117]

„Der Neurotiker ist der unbefriedigte Mensch. […] Das Unbefriedigtsein auf allen Gebieten – das ist eben der Begriff der Neurose. […] Jeder Neurotiker ist mehr oder minder impotent. Impotenz bedeutet nicht etwa bloß Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr, sondern Herabsetzung der Geschlechtslust im allgemeinen.“[118]

„Die Neurose ist eine besondere Ausdrucksform des Triebes. Demnach gehören auch die psychosexuellen Störungen zu den Neurosen, und in jede Neurose spielen psychosexuelle Besonderheiten hinein. Der  Neurotiker ist der unbefriedigte Mensch. Das Unbefriedigtsein auf allen Gebieten – das ist eben der Begriff der Neurose.“[119]

Es gäbe auch enge Beziehungen zwischen Trieb und Verbrechen. Deshalb sei „der Neurotiker, der von der embryonalen Urangst getrieben wird, zu Handlungen fähig, die als Auswirkungen seiner furchtbaren und unerträglichen Bedrängnis aufzufassen“[120] seien.

Es gehe immer um die Beziehung zur Mutter. Das betreffe auch den Inzest. Deshalb sei „das „Urverbrechen“ der „Inzest“, als welcher auch der Aufenthalt im Mutterleibe gedeutet wird, die „Urstrafe“ der im „Inzest“ erlittene Tod.“[121]  „In einer gewissen Entwicklungsstufe der Menschheit“ sei nämlich „Intrauterinzeit und Geburt als geschlechtliche Gemeinschaft des Kindes mit der Mutter aufgefaßt „ worden.[122]  „Der mit der Pubertätsfeier unwissentlich gemeinte, genauer: symbolisierte oder analogisierte „Geschlechtsverkehr“ („Inzest“)“ sei „ nämlich die Intrauterinzeit und ihre Folge, die Geburt. […] Die erste Objektwahl der Menschen ist regelmäßig eine inzestuöse, beim Manne auf Mutter und Schwester gerichtete.“[123]  „Der Koitus mit der „Mutter“ oder „Schwester“ (d. h. „dem“ Weibe)“ sei „urtümlich  selbstverständlich, urtümlich tödlich für den Mann“ und wurde „zum „Inzest (Verbrechen).“[124] Jetzt sei „der Inzest verboten, heißt nicht: er soll verhütet werden, sondern“ er finde „im allgemeinen nicht mehr statt. […] Wer als Erwachsener in seiner Genik frühinfantile Inseln in seiner Hirnrinde aufweist, ist immer an Mutter-Schwester oder Vater-Bruder fixiert und behält diese als Liebespartner bei und es ist nur ein gradueller, Unterschied zwischen einer agenitalen und einer genitalen Gemeinschaft.“[125] Der Geschlechtsverkehr Mutter-Sohn werde zum Inzest-Verbrechen und die Geburt werde zum Inzest.[126] „Die Muttersöhnchen, die Töchter, die beim Vater bleiben, die Junggesellen, die Don Juans männlichen und weiblichen Geschlechts, alle Impotenten aller Grade, alle Neurotiker“ seien „an die Familie fixiert so stark, daß für fremde Individuen nur wenige Paßformen vorhanden“ seien. Die Erziehung weite sich „bis zum Ende des zweiten Jahrzehnts, ja bis zur Mitte des dritten aus.“ Bis dahin seien „sie unselbständig, auf die Familie „angewiesen“, eheunfähig, zum großen Teil koitusunfähig. Derartige Bindungen“ seien „durchaus inzestuös; in diesem Sinne“ habe „sich der Begriff „Inzest“ erweitert“ In Lungwitz Zeit“ sei „Inzest nicht mehr bloß blutschänderischer Sexualverkehr, sondern die abnormale Fixation des Kindes an die Familie überhaupt, wie wir sie bei allen Neurotikern im Trophischen oder-und im Genischen beobachten.“ In der Urzeit“ sei „der „Inzest“ eine genitale (und orale) Angelegenheit“ gewesen, „in der zivilisierten Zeit“ sei Inzest „eine vorwiegend agenitale Bindung der Familienmitglieder aneinander, die eine kürzere oder längere Lebensdauer“ habe, „jedenfalls die Pubertät“ überdauere. Es sei „ein Kennzeichen der infantilistischen Denkweise, daß die Wunschobjekte, unter denen beim Heranreifen des Organismus die Liebesobjekte (die Individuen, denen die Muskel- und Drüsenaktionen gelten, die von den Genitalhöhlen ausgehende Eronen ausdrücken) an die erste Stelle rücken, im engsten Umkreise, im „Bannkreise“ der Familie gesucht und gefunden“ würden.[127]  „Das Verhältnis Weib : Mann“ sei „ursprünglich „allgemein“ aufgefaßt“ worden. „Das „Ewig-Weibliche“, das „ewige Weib“, die jeweils dämonisch personifizierte „Mutter Natur““ werde „promiscue von „dem Manne“, den Vätern-Söhnen begattet, und hierbei“ finde „„der Mann“ den tatsächlichen, dann den magischen Tod, als welcher dann auch der „Verlust“ des Samens, das Schwinden der Erektion, die Ermattung post coitum gedeutet wurde und von allen, die den Geschlechtsverkehr für „unrein“, das Weib für die „Sünde“ halten, gedeutet“ werde. „ In diesem Sinne“ sei „jeder Geschlechtsverkehr „inzestuös“. Indes“ sei „heutzutage (und schon lange) „Inzest“ nur noch Bezeichnung für „den Beischlaf zwischen Verwandten auf- und absteigender Linie, zwischen Verschwägerten auf- und absteigenden Linie sowie zwischen Geschwistern“ (§ 173 St.G.B.), in Sonderheit zwischen der Mutter und ihrem Sohn, dem Vater und seiner Tochter, eine neurotische Verirrung archaistischer Art (s. meinen Roman „Einer Mutter Liebe“). Immerhin“ liege „aller Geschlechtlichkeit jene Ur-Tat biogenetisch zu Grunde.“[128]

Auch der Inzest gehört also nach Lungwitz zu den Infantilismen und Lungwitz beschrieb in seinem Roman „Lamias Leidenschaft“, den er jetzt als Folge des Prozesses „Einer Mutter Liebe“ nennt, eine derartige „Verirrung archaistischer Art“.

Freud und der  Psychoanalyse geht es darum, Lebensprobleme (das Liebesproblem, das Arbeitsproblem, das Beziehungsproblem) aktiv anzugehen, zu einer im Leben besseren, der Lebenssituation angepassteren Gestaltung der jeweiligen Probleme zu kommen.

Bei Freud regrediert der Neurotiker, wenn er sich einer dieser Lebensaufgabe stellen will, sie aber wegen Hemmung nicht bewältigen kann, auf niedrigere psychosexuelle Stufen, wie Freud sie beschrieben hat. Einer Progression bis zum genitalen Erwachsenen entspricht die Regression eventuell bis zur oralen psychosexuellen Stufe.

Bei Lungwitz aber ist der Neurotiker der Mensch, der sich nicht entwickelt hat, der biologisch, auch hirnmäßig stehengebliebene, infantile Mensch.

„Das Ausweichen vor der Aufgabe“ bestehe nach Lungwitz nicht, „wie Freud meint, in der „Regression“, dem Zurückgehen in eine Kindheitsstufe, in der man vor der Aufgabe geschützt sei; sondern der Kranke ist aus dieser Kindheitsstufe überhaupt noch nicht herausgekommen, kann also zur Aufgabe, welcher Art sie auch sei, eine andere Einstellung gar nicht haben als jene, die sich im Symptom, in unserem Falle im Schwindel präsentiert.“[129] Aus dieser Sichtweise heraus kritisiert Lungwitz Freuds Idee der Regression. Eine Regression gibt es nämlich für Hans Lungwitz nicht.

„Der Neurotiker „regrediert“ nicht, wie Freud sagt, sondern seine infantilen Systeme sind noch da, haben sich in gewissem (individualspezifischem) Ausmaße entfaltet, aber ihre Entwicklungsebene ist verschieden von der anderer Hirnpartien; so mischt sich in die „erwachsenen“ Funktionen die infantilistische (kindartige) Funktion der „Inseln“ ein. Es ist unverständig, nach „psychischen Traumen“ und tausend Erlebnissen in dem Sinne zu forschen, daß man „Motive“ und gar „die Motive“ ausfindig machen wolle, die das Krankheitsbild verursacht oder verschuldet haben sollen, „eingeklemmten Affekten“  oder „Verdrängtem“ mit mehr oder minder großen „Triebbesetzungen“ und all den andern Göttererchen und Teufelchen nachzuspüren, die — als seelisch — „in“ der „Seele“ Hexentänze aufführen und das menschliche Verhalten bestimmen sollen usw. Wir sehen im Menschen wie in allen andern Gehirnwesen biologische Organismen, lebendige Automaten, und die Neurose ist das einer individualspezifischen Besonderheit der Organisation entsprechende Verhalten.“[130]

Denn bei Lungwitz ist der Neurotiker ja überhaupt nicht entwickelt. Er ist einfach im Infantilen steckengeblieben.

Lungwitz kennt eine Entwicklung, wie bei Freuds Libidotheorie, nicht. Für ihn ist mit der Amphimixis, der Vereinigung von Ei und Samenzelle, der Embryonalentwicklung und Geburt alles bereits „definitiv gegeben. […] Die sexualspezifische Artung des Individuums, seine Artung überhaupt, eben seine Individualität ist „fertig“ im Momente der Amphimixis und kann „durch“ keinen äußeren oder inneren „Einfluß“ gebessert oder verschlechtert werden. Das Kind wächst, wie es wächst, es ist ein Wesen „für sich“, und ebensowenig wie ihm durch die Erziehung oder sonstige „Einwirkungen“ ein sechster Finger andiktiert werden kann, können ihm Entfaltungen „anerzogen“ werden, die nicht in seiner Organisation gelegen sind, können ihm Dinge beigebracht werden, für die es keine Denkzellen hat.“[131] „Alle Formen des Individuums […]“ seien „Entfaltungen der „Urform“, also mit dem Keime da.“[132]

Neurosen sind nach Lungwitz also anders als bei Freud pathologische Entfaltungen der schon mit dem Keim angelegten Urform. Infantilismen sind vom Beginn an gegeben. Sie sind fest im Bauplan der Hirnrinde verankert und damit Schicksal. Da der Mensch verschiedene Anteile hat, kann ein Teil der Hirnrinde infantil sein, ein anderer nicht. Das bleibt dann lebenslang so. Die Neurotiker haben aufgrund ihrer unreifen Hirnrinde mit ihren einbryonalen (sensilen), infantilen (modalen) und juvenilen (motivischen) Denkspären eine dämonistische Weltanschauung.

Ein gesunder Mensch dagegen hat nach Lungwitz eine reale, realistische Weltanschauung.[133]

„Die dämonistische Weltanschauung gilt […] eine lange Periode des menschlichen Denkens hindurch, an sie schließt sich die reale  Weltanschauung an, in der die dämonistische Deutung entfällt; die Genesung ist die Emporentwicklung zur realischen  Weltanschauung, und man kann nicht gesund werden und – krank bleiben: soweit Patient noch Symptome hat, so ist er noch Dämonist, und soweit er noch Dämonist ist, hat er noch Symptome. Die Differenzierung des kranken Erlebens vollzieht sich gemäß der Differenzierung der Beschreibung, die Symptome mildern sich in Richtung Norm.“[134]

Die Psychoanalyse Freuds hilft dem Kranken, seine drei Lebensprobleme (das Liebesproblem, das Arbeitsproblem, das Beziehungsproblem) besser als zuvor zu bewältigen und lebensfähiger zu werden, also zu einer besseren, der Lebenssituation angepassteren Gestaltung der jeweiligen Probleme zu kommen. Es geht bei der Freudschen Psychoanalyse nicht darum, die Neurose zu heilen. Jeder hat nämlich neurotische Veranlagungen, (wie die sich aus der Psychoanalyse entwickelte Charakterkunde zeigen konnte). Die Psychoanalyse hat also nur ein beschränktes Ziel.

Die Psychoanalyse ist nicht einfach eine Theorie und zugleich eine Therapiemethode, durch die Neurosen intellektuell analysiert werden sollen. Es geht mit Hilfe der  Übertragung und Gegenübertragung, der Widerstandsanalyse und anderer Methoden um Wiedererleben und Durcharbeiten alter Beziehungsmuster. Besonders will kein Psychoanalytiker die Kranken „erlösen“. Auch das Ziel der Heilung ist ein viel zu großes. Wenn der/die Therapeut/in dem Kranken hilft, mit sich und seinen Problemen besser zu recht zu kommen und sich nicht ständig in Kräfte bindende Wiederholungen aus früheren Konflikten zu verstricken, auch dadurch etwas zufriedener ist, dann ist viel erreicht. Mehr konnte und wollte Freud nicht und seine Psychoanalyse (und auch die in der weiteren Entwicklung der Psychoanalyse) kann sich damit bescheiden.

Anders sieht es Hans Lungwitz.

Die Freudsche Psychoanalyse sei: „eine lösende Methode, aber eine auflösende, nicht eine erlösende. […] Die Freudsche Theoretik, nach der ja die psychoanalytische Praxis“ stattfinde, sei „eine Irrlehre.“[135]

Die Psychobiologie aber ist Erkenntnistherapie. Daher müsse: „jede aufklärende Psychotherapie [wie seine eigene F.P.] also zur Bildung einer Weltanschauung führen, und zwar zu einer höher entwickelten, als sie der Patient hat.“[136]

Also zu der von Lungwitz so genannten realischen. Alle psychoanalytischen Richtungen seien Fiktionen. „Die psychoanalytischen Lehren aller Richtungen geben keine Erkenntnis.“[137] „Niemand, der philosophisch oder ärztlich mit Fiktionen, mit Mystik in irgendeinem Sinne arbeitet, hat das Recht, von sich zu sagen, er treibe Erkenntnistherapie.“[138]

Die Psychoanalyse, wie Lungwitz sie psychobiologisch auffasse, sei „sozusagen eine Generalreinigung, und da sie diese vom Kranken selber ausführen, sein Bewußtsein als einen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit unversehrt bestehen“ lasse, „sich jeder Suggestion nach Möglichkeit“ enthalte „und speziell Suggestion im therapeutischen Sinne streng“  vermeide“, „vielmehr nur die zwingende Logik der Tatsachen sprechen“ lasse, sei „sie eine Methode, die in jedem einzelnen Falle sich selbst“ beweise.[139]

„Als Spiegel, der die Wahrheit sagt, wohnt der Psychoanalyse eine Bedeutung für das Einzelwesen wie für die Gesamtheit inne, die erst in einer Zeit ermessen werden wird, in der die Menschen gelernt haben werden, in diesen Spiegel zu schauen, in der die Psychoanalyse — überflüssig geworden sein wird. Bis dahin mag sich jeder Leser merken:  Wer mühselig und beladen ist, die Psychoanalyse wird ihn erquicken  — nicht mit „guten Ratschlägen“, nicht mit billigen Trostspenden und allgemeinen Redensarten, sondern mit dem tiefgründigsten Verständnis seines Leides.“[140]

Lungwitz´s Psychoanalyse könne sogar retten und erlösen:

„Und doch Rettung[141]! Sie lautet: lernet euch selbst verstehen! Laßt euch die Augen öffnen, damit ihr sehen könnt, was ihr eigentlich tut. Denn euer Denken und Tun ist zwar euer Selbst, aber in der Verhüllung, die euch den eigentlichen Sinn unkenntlich macht, in einer Form, die euch über die eigentliche Bedeutung täuscht und nach der Struktur der menschlichen Persönlichkeit täuschen muß. Das Bewußtsein – ich wies schon darauf hin – kann über sich selbst nichts aussagen, und wir können die zugehörige Innerlichkeit nur erfassen, wenn und soweit der Weg in die unbewußten Regionen objektiv bekannt und beschritten wird.  Und dieser Weg heißt Psychoanalyse, und Psychoanalyse heißt Lösung, heißt Erlösung.“[142]

Es sei „Aufgabe einer wahren Therapie, den Kranken aus seinen Zweifeln herauszuführen, die  (Freudsche) Psychoanalyse verbiete“ aber „den Zweifel.“ Sie sei eine „Art „geistiger Hypnose“.“[143]

Die Psychobiologie und Lungwitzsche Erkenntnistherapie aber seien anders: „Meine Psychobiologie macht allen Fiktionen und Hypothesen um die Seele, das Bewußtsein, das Unbewußte usw., kurz aller Metaphysik ein Ende, sie klärt auch das Wesen der Krankheit und der Genesung, und an die Stelle der Psychoanalyse, worunter die Freudsche (von ihm der Name) zu, verstehen ist, tritt die Erkenntnistherapie, die zur Psychobiologie gehörende Neurosentherapie, die den Neurotiker mit den Mitteln der Erkenntnis aus all seinen dämonistischen Zweifeln zur realischen Erkenntnis und damit zur Genesung führt.“[144]

„Mit der Bescheidung auf geringe Ziele und Lebensformen, mit der Herabsetzung der Ansprüche“ [wie sie die Individualtherapie vertrete] bleibe „der Neurotiker — Neurotiker.“ Das sei „keine echte Heilung, d. h. kein Ausgleich der Entwicklungsdifferenz, auf diese zielen die Methoden der analytischen Psychotherapie auch gar nicht ab, ja sie kennen sie nicht einmal, und so sagt C. G. Jung : „Nicht, wie man eine Neurose los wird, hat der Kranke zu lernen, sondern wie man sie trägt.“ Diese Methoden sind also grundverschieden von der Erkenntnistherapie: diese baut nicht ab, sondern auf, sie führt den Neurotiker zu seiner höchstmöglichen Leistung, zur echt heldischen Tat und ihrem echten, ihrem gesunden Erfolge empor.“[145]

„Psychoanalyse und Individualpsychologie sind auch heute noch die Methoden der analytischen Psychotherapie. In Modifikationen und Verbesserungen von Einzelheiten, Änderungen der Terminologie, eklektizistischer Verkuppelung von Freud, Adler und Jung usw. kann ich einen wesentlichen Fortschritt nicht erblicken. Die Zukunft gehört der Erkenntnistherapie.“[146]

Und unter Bezug auf seine eigene Art des Verständnisses von Psychoanalyse sagt Lungwitz:

„Als Spiegel, der die Wahrheit sagt, wohnt der Psychoanalyse eine Bedeutung für das Einzelwesen wie für die Gesamtheit inne, die erst in einer Zeit ermessen werden wird, in der die Menschen gelernt haben werden, in diesen Spiegel zu schauen, in der die Psychoanalyse — überflüssig geworden sein wird. Bis dahin mag sich jeder Leser merken: die Psychoanalyse, die Erkenntnistherapie ist die Kunst, den Menschen zu verstehen. Wer mühselig und beladen ist, die Psychoanalyse wird ihn erquicken  — nicht mit „guten Ratschlägen“, nicht mit billigen Trostspenden und allgemeinen Redensarten, sondern mit dem tiefgründigsten Verständnis seines Leides.“[147]

Wie wir gesehen haben, stellt sich Lungwitz ganz einseitig und dogmatisch auf die Seite der objektiven Psychologie. Für die subjektive Psychologie fehlt ihm ganz das Verständnis. Er lehnt eine Psyche/Seele als „Nichts“ ab, der „Glaube“ an etwas wie eine Psyche ist für ihn „Dämonismus“. Deshalb sind für ihn auch Freuds Psychoanalyse und Adlers Individualpsychologie reiner Dämonismus. Ob sich ihm diese Ablehnung der subjektiven Psychologie schon ganz früh in seiner Lebensgeschichte geformt hat, ob er vielleicht in seinem Studium nur die für ihn als einzig richtige objektive Psychologie kennengelernt hat oder ob er seine Ansichten erst radikalisierte, als er die Psychoanalyse Freuds kennengelernt hatte, ist unklar. Jedenfalls prägt seine sehr einseitige Sicht seinen Umgang mit der Psychoanalyse. Für den psychologischen Gehalt der Psychoanalyse und Tiefenpsychologie hat er kein Empfinden, er ist geradezu blind für ihn. Man fragt sich: Grundsätzlich blind oder (vielleicht durch psychische Traumata) erblindet? Jedenfalls hat Hans Lungwitz keinen Zugang zur subjektiven Psychologie und Psychoanalyse. Seine Art, in der er darüber schreibt, hat Abwehrcharakter, es ist eine Art von Verteufelung. Und spricht von seiner Angst vor dem für ihn gänzlich undurchschaubaren, für ihn mysteriösen Psychischen. Insofern ist seine Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse geradezu hinweisend für seine Denk- und Fühlweise. Gerade aber diese wahrhaft grandiose Einseitigkeit hat ihm aber wohl ermöglicht, seine sehr eigene, besondere Gefühlstheorie zu entwickeln, die sein Verdienst ist.

 

Quellen und Literatur:

 

  • Sigmund Freud (1905): Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, G.W. Band 5
  • Sigmund Freud (1910): Die psychogene Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung, G.W. Band 8
  • Sigmund Freud (1915): Triebe und Triebschicksal, G.W. Band 10
  • Sigmund Freud: Über Psychoanalyse, Wien, Franz Deutieke, 1909
  • Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse, Ernst Oldenburg Verlag, Leipzig und Wien I,  1924
  • Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse. Psychobiologie der Krankheit und der Genesung Schule der Erkenntnis, Brücke-Verlag, Kurt Schmersow, Kirchhain N.L. 1932
  • Hans Lungwitz: Die Entdeckung der Seele. Allgemeine Psychobiologie. Dritte bis fünfte, durchgearbeitete Auflage. Berlin 1947 Walter de Gruyter & Co.
  • Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen; Walter der Gruyter + Co. Berlin W 35, 1955
  • George J. Makari: Revolution der Seele. Die Geburt der Psychoanalyse, Psychosozialverlag Gießen 2011
  • Ludwig J. Pongratz: Problemgeschichte der Psychologie, A. Francke AG Verlag Bern 1967
  • Präsenztherapie hrsg. von Karsten Wolf, Fengli Lan und Friedrich Wallner, Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York 2018
  • Friedrich Hausen, Karsten Wolf, Werner Zabka, Rolf-Dieter Dominicus, Hans-Peter Wunderlich:  Das Leib-Seele-Problem und das Hier und Jetzt bei Lungwitz; in: Präsenztherapie hrsg. von Karsten Wolf, Fengli Lan und Friedrich Wallner, Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York 2018  S. 38-43
  • Friedrich Hausen, Karsten Wolf, Werner Zabka, Rolf-Dieter Dominicus, Hans-Peter Wunderlich:  Präsenzerleben in der Erkenntnistherapie bei Lungwitz in. Präsenztherapie hrsg. von Karsten Wolf, Fengli Lan und Friedrich Wallner, Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York 2018  S.126-133
  • Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller – OPUS Würzburg
    https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/files/…/Lungwitz_-_Arzt_und_Schriftsteller.…
  • Beiträge zur Medizin-, Literatur – ResearchGate
    https://www.researchgate.net/…Hans_Lungwitz…/Literatur-und-Medizin-Das-literarisc…
  • Matthias Miener und Dominik Groß: Literatur und Medizin: Das literarische Werk des Arztes Hans Lungwitz (1881-1967)
  • Effata – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Effata

 

Fussnoten:

 

[1] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse. Psychobiologie der Krankheit und der Genesung Schule der Erkenntnis, Brücke-Verlag, Kurt Schmersow, Kirchhain N.L. 1932

[2] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse, Ernst Oldenburg Verlag, Leipzig und Wien I,  1924

[3] Hans Lungwitz: Die Entdeckung der Seele. Allgemeine Psychobiologie. Dritte bis fünfte, durchgearbeitete Auflage. Berlin 1947 Walter de Gruyter & Co.

[4] Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre.
Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen; Walter der Gruyter + Co. Berlin W 35, 1955

[5]  Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller – OPUS Würzburg
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/files/…/Lungwitz_-_Arzt_und_Schriftsteller.…

[6]  Präsenztherapie hrsg. von Karsten Wolf, Fengli Lan und Friedrich Wallner, Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York 2018

[7] Friedrich Hausen, Karsten Wolf, Werner Zabka, Rolf-Dieter Dominicus, Hans-Peter Wunderlich:  Das Leib-Seele-Problem und das Hier und Jetzt bei Lungwitz; dito S. 38-43

[8] Friedrich Hausen, Karsten Wolf, Werner Zabka, Rolf-Dieter Dominicus, Hans-Peter Wunderlich:  Präsenzerleben in der Erkenntnistherapie bei Lungwitz in dito S.126-133

[9] George J. Makari: Revolution der Seele. Die Geburt der Psychoanalyse, Psychosozialverlag Gießen 2011

[10] Ludwig J. Pongratz: Problemgeschichte der Psychologie, A. Francke AG Verlag Bern 1967

[11]  Siehe zu dem Folgenden: Ludwig J. Pongratz: Problemgeschichte der Psychologie, A. Francke Verlag Bern 1967

[12]  Sigmund Freud (1905): Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, G.W. Band 5 S. 67

[13] Sigmund Freud (1910): Die psychogene Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung, G.W. Band 8 S. 100 f.

[14]  Sigmund Freud (1915): Triebe und Triebschicksal, G.W. Band 10 S. 215

[15] Die Angaben zu der Biographie von Hans Lungwitz entnehme ich: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller – OPUS Würzburg
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/files/…/Lungwitz_-_Arzt_und_Schriftsteller.…
urn:nbn:de:bvb:20-opus-17946
Vergleiche auch: Beiträge zur Medizin-, Literatur – ResearchGate
https://www.researchgate.net/…Hans_Lungwitz…/Literatur-und-Medizin-Das-literarisc…
Matthias Miener und Dominik Groß: Literatur und Medizin: Das literarische Werk des Arztes Hans Lungwitz (1881-1967)

[16] Effata – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Effata: „Hephata, Effata“ = „Öffne dich“ sagte Jesus im Evangelium nach Markus 7,31-37, als er einem Taubstummen die Finger in die Ohren legte, seine Zunge mit Speichel berührte und den Taubstummen so heilte. Obwohl Jesus verbot, darüber zu reden, verbreitete sich diese Heilung sehr schnell.
Wenn Hans Lungwitz sein Unternehmen Hephata GmbH nennt und ein Brot vertreibt als  „Dr. med. Lungwitz-Hephata-Brot“, so lässt er Assoziationen anklingen als Jesus als Heiler und an das Vater unser „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Nur ist Hans Lungwitz der Heiler, der den Kranken die Ohren öffnet und sie so der Erkenntnis zuführt.

[17] Semjon Lipliawsky

[18] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse, Ernst Oldenburg Verlag, Leipzig und Wien I,  1924

[19] Sigmund Freud: Über Psychoanalyse, Wien, Franz Deutieke, 1909

[20] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 6

[21] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 7

[22] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 9

[23] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 4

[24] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 125

[25] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 129

[26] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 5

[27] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 496

[28] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 4

[29] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 36

[30]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 126-127

[31]  Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 493

[32]  Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 494-495

[33] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 35

[34]  Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 453

[35] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 21

[36] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 124

[37] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 64

[38] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 83

[39] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 83

[40] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 46-47

[41] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 64 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie, Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S. 140

[42] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 16-17

[43]  Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 5

[44]  Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 6

[45] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 73

[46] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 126

[47]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 127

[48] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 19-20

[49] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 23

[50] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 22

[51] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 22

[52] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 65-66 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S. 149

[53] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 66 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S.141

[54] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 64 unter Bezug auf Hans-Georg Rahn, Einführung in die Psychobiologie, Berlin 1973 S. 42

[55] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 64-65 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S.138 ff

[56] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 64 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S.149

[57] Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 65 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S.149

[58] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 205

[59]  Matthias Miener: Hans Lungwitz (1881-1967) – Arzt und Schriftsteller S. 65 unter Bezug auf Hans Lungwitz, Lehrbuch der Psychobiologie Bd. 7
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie, Berlin 1955 S.148

[60] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 15

[61] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 15

[62] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 83

[63] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 23

[64] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 71-72

[65] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 71-72

[66] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 66

[67] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 66

[68] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 82

[69] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 13

[70] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 82

[71]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 124

[72]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 125

[73] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 125

[74] Arthur Kronfeld (1886-1941)

[75]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 127

[76] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 132

[77] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 133

[78] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 134

[79]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 133-134

[80] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 135

[81] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 135

[82] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 136

[83] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 141

[84] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 142

[85] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 144-145

[86] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 138

[87] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 142

[88] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 131

[89] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 131

[90] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 139

[91] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 140

[92] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 141 Anmerkung

[93]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 131

[94] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 139-140

[95] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 140

[96] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 137

[97] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 143

[98] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 64

[99] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 417

[100] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 13

[101] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 209-210

[102]  Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 23

[103] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 24

[104] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 108

[105] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 105

[106] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 25

[107] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 66-67

[108] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 97

[109] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 99

[110] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil] Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 139

[111] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 52

[112] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 72

[113] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 82-83

[114] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 83-84

[115] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 76

[116] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 77

[117] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 84

[118] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 82

[119] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 82

[120] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 85

[121] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 202-203

[122] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 217

[123] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 210

[124] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 212

[125] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 212-213

[126] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 216

[127] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 217

[128] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 101

[129] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 64

[130] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 345

[131] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 205

[132] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 66-67

[133] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil]
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 196

[134] Hans Lungwitz: Lehrbuch der Psychobiologie. Dritte Auflage. Die Psychobiologie der Krankheit 7. Band [Erster Teil]
Die Neurosenlehre. Die Erkenntnistherapie in zwei Teilen S. 197

[135] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 130

[136] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 125-126

[137] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 127-128

[138] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. IX

[139] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 36

[140] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 86

[141] Denke an Hephata-Brot, der Retter ist Hans Lungwitz selber.

[142] Hans Lungwitz: Über Psychoanalyse S. 81-82

[143] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 128

[144] Hans Lungwitz: Entdeckung der Seele (1947) S. 454

[145] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 145

[146]  Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949) S. 145

[147] Hans Lungwitz: Erkenntnistherapie für Nervöse (1949)  S. 86